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Volltexte im Internet

Bei dem Besuch einer gut sortierten Buchhandlung fiel mir neulich der Reprint von Cornel von Fabricy, Filippo Brunelleschi. Sein Leben und seine Werke (Stuttgart, Verlag der J.G. Cotta'schen Buchhandlung 1892) in die Hände (Nabu Press 2010). Na prima, dachte ich: eines der Meisterwerke der archivgestützten Kunstgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts ist jetzt wieder als Printausgabe verfügbar, denn die Originalausgabe ist schwer zu bekommen, offenbar nur in kleiner Auflage gedruckt. Howard Saalman beschreibt in seiner Brunelleschi-Monographie den Erhalt eines Exemplars aus den Händen von Ulrich Middeldorf gleichsam als Erweckungserlebnis (Howard Saalman, Filippo Brunelleschi, The Buildings, London 1993, S. 25).

 

Ich habe den Band nicht gekauft, weil ich wusste, dass bei www.google.de/books noch vor Monaten eine "vollständige Ansicht" verfügbar war, die ich aber leider nicht heruntergeladen habe. Pech gehabt: jetzt ist sie weg. Ich vermute mal, das Erscheinen einer Printausgabe macht den Volltext im Internet für google unmöglich. Das finde ich mehr als misslich, denn das Buch - so wichtig es auch ist - wird man heute eher als Steinbruch verwenden, als dass man es gerne in den Händen hält und von vorne bis hinten durcharbeitet. Wie finde ich z.B. ganz rasch, dass Filippo Brunelleschi eine Magdalenenstatue gefertigt hat, ich erinnere mich aber leider nicht mehr an den Zusammenhang? Soll ich für 6,99€ in der Hauptseminararbeit von Simon David nachschauen (www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/142481.html)?

 

Was tun? Soll ich lernen, wie ich mit meinen Computer simuliere, dass ich mich gerade in den USA befinde oder mit den Hinweisen von Klaus Graf versuchen, mehr als nur "Schnipsel" zu erhalten (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=1146&type=diskussionen)? Kann sicher nicht schaden.

 

Aber Glück gehabt: nach langer Suche habe ich bei www.archive.org den Volltext wiedergefunden. Da wird er gewiss nicht mehr lange zu finden sein, aber jetzt habe ich mir den Text heruntergeladen. Ob ich das darf?

 

Ich träume mich in eine Zukunft, wo Printausgaben und E-Texte tatsächlich nicht mehr als konkurrierende Medien wahrgenommen werden.

 

Alexander Markschies (mark@kunstgeschichte.rwth-aachen.de)

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