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Digitale Kunstgeschichte in die Lehre – nicht nur als Exotikum

Digitale Kunstgeschichte in die Lehre – nicht nur als Exotikum

Es ist ein wissenschaftliches Ideal, dass sich die Forschenden ihre Werkzeuge selbst schaffen. Das könnte gerade auch für die digitalen Werkzeuge gelten, die heute zu einem großen Teil mit Infrastrukturen hergestellt werden können, die an jedem Arbeitsplatz vorhanden sind: Offene Bildbearbeitungsprogramme lassen sich konfigurieren, ein Skript zur Analyse von Daten lässt sich mit freien Sprachen selbst schreiben, Wikis und Content-Management-Systeme sind schnell eingerichtet und ermöglichen die Verbreitung von Information und Ergebnissen. Tatsächlich arbeiten wir auch in der kunsthistorischen Forschung und Lehre ständig mit digitalen Technologien, setzen sie aber oft ohne methodischen Anspruch ein und ohne die forschungsbezogenen Potentiale auszunutzen. Die steigende Vertrautheit der jüngeren Generationen mit immer smarter werdenden Geräten ändert daran erst einmal nichts. Kritischer Durchblick und produktive Entwicklung bleiben tendenziell fachfremden Spezialisten überlassen. Fast alle Aufgaben innerhalb der Kunstgeschichte erforderten jedoch stattdessen einen souveränen Einsatz digitaler Technologien und Methoden seitens der Forschenden selbst. Dafür muss nicht jeder programmieren können, aber ein gewisses Verständnis der Grundlagen würde dem Fach gut tun. Das wird aber nur erreichbar sein, wenn der kunsthistorische Nachwuchs beizeiten Gelegenheit bekommt, sich damit auseinanderzusetzen.

Daher ist überfällig, dass das Fach Kunstgeschichte zu seinem – etwa hinsichtlich der Fotografie bereits einmal vorhandenen – technologischen Elan zurückfindet und digitale Methoden und ihre konzeptionellen Grundlagen ausdrücklich in die Lehrprogramme integriert sowie darüber hinaus auch Studiengänge entwickelt, die eine weitergehende Spezialisierung ermöglichen. Das ist bislang nur an wenigen Orten, etwa in Erlangen oder München, der Fall. Wie die Lehrangebote im Einzelnen aussehen können wird sich sicherlich nach den Gegebenheiten und Interessen der jeweiligen Universitätsinstitute richten. Selbstverständlich sollte jedoch sein, dass dabei ebenso die fachliche Anwendbarkeit wie der Anschluss an ein fächerübergreifendes Konzept der Digital Humanities gesucht werden.

Der Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte hat sich bei seinen letzten beiden Treffen (in Berlin am 24. Oktober 2014 und in Graz am am 26. Februar) mit dem Thema der Digitalen Kunstgeschichte in der Lehre befasst und eine Erklärung vorbereitet, die auf dem ebenfalls diesem Thema gewidmeten Forum auf dem 33. Deutschen Kunsthistorikertag am 24. März vorgestellt wurde. Es wäre schön, wenn möglichst viele Kolleginnen und Kollegen sowie auch Studierende die Erklärung unterzeichnen und ihre Ziele in ihrem Arbeitsfeld aktiv unterstützen würden.

Hier geht es zur Erklärung: http://www.digitale-kunstgeschichte.de/wiki/Erkl%C3%A4rung_zur_Digitalen_Kunstgeschichte_in_der_Lehre

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