dahblog.arthistoricum.net http://dahblog.arthistoricum.net/feed/ Der DAH-Blog von arthistoricum.net de-DE TYPO3 News Sat, 08 May 2021 17:00:39 +0200 Sat, 08 May 2021 17:00:39 +0200 TYPO3 EXT:news news-12332 Mon, 08 Mar 2021 14:14:38 +0100 Tagung "Das digitale Bild – Die soziale Dimension, politische Perspektiven und ökonomische Zwänge" – Programm /beitrag/2021/03/08/tagung-das-digitale-bild-die-soziale-dimension-politische-perspektiven-oekonomische-zwaenge-programm

Hier finden Sie das Programm der Tagung "Das digitale Bild – Die soziale Dimension, politische Perspektiven und ökonomische Zwänge".

Mit Beiträgen von Boris Groys ("The Digital Image: Followership vs. Spectatorship"), Nancy Katherine Hayles ("Deep Fakes in the Era of Mechanical Intelligence"), Felix Stalder ("Composite Images. On the Transformation of Visual Truth Claims"), Trevor McFedries und Diana Weis ("Fireside-Chat: Digital Humans and Cryptomedia Economies"), Kerstin Schankweiler (t.b.a.), u.v.a.m.

Die Veranstaltung findet von 28. bis 30. April 2021, online via Zoom statt.

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news-12142 Mon, 15 Feb 2021 17:58:05 +0100 vDHd 2021 - Programm /beitrag/2021/02/15/vdhd-2021-programm

Das Programm der vDHd 2021 wurde soeben veröffentlicht: VDHD2021-PROGRAMM

Eine DH-intensive Zeit steht bevor. Auch die Kunstgeschichte ist im Programm vertreten:


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news-12027 Fri, 29 Jan 2021 16:39:00 +0100 NFDI4Culture Plenartreffen - Anmeldung /beitrag/2021/01/29/nfdi4culture-plenartreffen-anmeldung

Das einzige in der ersten Förderrunde zum Vorhaben einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) erfolgreiche geisteswissenschaftliche Konsortium NFDI4Culture veranstaltet am 4.2.2021 ein Community Plenary Meeting. Die Kunstgeschichte ist unter den Beiträgen ordentlich vertreten. Eine Anmeldung ist noch bis zum 31.1. möglich.

Dass das Ganze rein digital und vollständig im Digitalen stattfindet, wird nicht mehr eigens erwähnt. Wir befinden uns jetzt, nach bald einem Jahr der Pandemie, an einem Punkt, an dem das Treffen im Virtuellen zur Norm, die natürliche Zusammenkunft zur Ausnahme geworden ist. Unheimlich viele Neuerungen gehen mit dieser Umstellung einher. Unfassbar, was sich nivelliert, aufschlußreich, welche Hierarchien sich neu etablieren. Eine Bild-, Kommunikations- und Medienwissenschaft/ -archäologie der Zukunft wird sich aus den Daten der aktuellen Zeit speisen.

Die Technologie des Digitalen spielt eine noch bis vor kurzem ungeahnte Rolle, erhält entscheidende Relevanz, entfaltet, fast berauschend, ihre Macht. Das Forschen und die Forschung im Digitalen basiert im Wesentlichen auf digitalen Daten, dem Auftakt zur Diskussion umfassender Standardisierungsprozesse und dem Forschungsdatenmanagement für den Bereich der Kulturdaten in der ersten öffentlichen Zusammenkunft seit der Vereinsgründung von NFDI4Culture (1.12.2020) können Sie beiwohnen durch die Teilnahme am NFDI4Culture Plenartreffen.

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news-11785 Mon, 21 Dec 2020 15:39:00 +0100 Call for Publications: Fabrikation von Erkenntnis. Experimente in den Digital Humanities /beitrag/2020/12/21/call-for-publications-fabrikation-von-erkenntnis-experimente-in-den-digital-humanities

Die Labor-Metapher ist in den Digital Humanities (DH) weit verbreitet (Earhart, 2015; Lane, 2016) und wird aktuell verstärkt im Kontext der wissenschaftssoziologischen “laboratory studies” in der Tradition von Karin Knorr Cetina (1991) auf vielfältige Weise diskutiert (vgl. etwa Pawlicka-Deger, 2020). Häufig betonen DH-Labore dabei den Aspekt des wissenschaftlichen Austauschs und der Kollaboration (im Sinne eines collaboratory, vgl. Siemens & Siemens, 2012), der in den interdisziplinären Konstellationen der DH geradezu genre-prägend ist. Darüber hinaus ist das Labor traditionell eng verknüpft mit der Funktion als Experimentierstätte.

In DH-Labs werden dementsprechend geistes- und kulturwissenschaftliche Daten in Experimentalsettings aufbereitet, transformiert, kodiert und mithilfe von speziellen Instrumenten und Verfahren (vgl. Hannaway, 1986: 585) – also digitalen Tools und Methoden – analysiert. Die regelmäßige Reflexion des wechselseitigen Einflusses von digitalen Methoden und bestehenden Theorien sowie auch Epistemen eröffnet im DH-Lab zusätzlich die Möglichkeit erkenntnistheoretischer Versuche. Dabei fungieren DH-Labs auch als dynamische Werkstätten des Wissens. Grundlegende Praktiken der Geisteswissenschaften entfalten im Ideen- und Schreiblabor ihre kreative Kraft: Die Dokumentation wie die Kommunikation von Forschungsprozessen und -ergebnissen können dank neuer Publikationsformate an sich schon zum Experiment und zur interdisziplinären Ideenschmiede werden.

Unter der Losung „Fabrikation von Erkenntnis: Experimente in den Digital Humanities” greift dieser Call for Publications die eingangs genannten Aspekte auf und lädt dazu ein, das experimentelle Potenzial der DH in unterschiedlichen Beitragstypen zu ergründen. Er greift mit dem Thema “Experimente” auch das Rahmenthema der vDHd2021 auf, das Alternativformat für die verschobene Jahrestagung des DHd-Verbands. Die vDHd2021 wird von der Community für die Community und mit Unterstützung des DHd e.V. organisiert. Die verschiedenen Veranstaltungen der vDHd2021 sowie auch dieser Call for Publications sollen das Warten auf die nächste DHd-Jahrestagung im Frühjahr 2022 in Potsdam verkürzen. Der Call ist zwar losgelöst von den Events der vDHd2021, möchte aber ebenso zur Sichtbarkeit aktueller DH-Aktivitäten im deutschsprachigen Raum beitragen – dies auch vor dem Hintergrund des Fehlens eines Book of Abstracts für das Jahr 2021.

Insgesamt sind drei Typen von Einreichungen möglich, die im Folgenden näher erläutert werden: 

  • Langartikel zu experimentellen Methoden und Verfahren der DH
  • Daten-Experimente / Publikation von Datensätzen
  • Code-Experimente / Publikation von ausführbaren Notebooks


Für alle Beitragstypen ist zunächst ein Abstract bis zum 15. Februar 2021 bei den jeweils angegebenen Kontaktpersonen einzureichen. Die Entscheidung über die Annahme der Beiträge ergeht bis zum 15. März 2021. Die vollständigen Beiträge müssen bis zum 10. Mai 2021 eingereicht werden. Alle angenommenen Beiträge werden in einer Sonderausgabe der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften (ZfdG) und auf Melusina Press im Open Access veröffentlicht. Weiterhin werden alle Beitragstypen im Rahmen eines peer review-Verfahrens begutachtet. Die Begutachtungsverfahren können sich je nach Beitragstyp ggf. unterscheiden, weitere Details hierzu folgen. Die Abstracts sowie auch die finalen Beiträge können in deutscher und englischer Sprache eingereicht werden.

(1) Langartikel zu experimentellen Methoden und Verfahren der DH

Verantwortlich: Joëlle Weis, Timo Steyer und Peer Trilcke

Wenngleich die DH wegen ihrer methodischen Ausrichtung immer zu einem bestimmten Grad experimentell sind (zumindest im Vergleich zu traditionellen geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen), so scheinen sich in den letzten Jahren doch einige Verfahren, insbesondere im Bereich der textbasierten DH, zunehmend zu etablieren. Daher sollen in diesem Beitragstyp vor allem Methoden und Verfahren angesprochen werden, die noch experimentellen Status innehaben. Gesucht werden idealerweise Einreichungen zu neuartigen Anwendungsbereichen und mit unorthodoxen Ideen. Die Beiträge können auch kritische Einblicke und Bewertungen aktueller Diskurse geben oder provokative Thesen formulieren. Willkommen sind ebenso Einreichungen zu und mit unterschiedlichen Medientypen, wie etwa Videos, Bilder, Musik, Spiele und 3D-Objekte.

Zunächst sollen Abstracts der geplanten Beiträge mit einer Länge von 500 – 1.000 Wörtern eingereicht werden. In den Abstracts soll die Fragestellung klar umrissen und der Grad der Innovativität deutlich gemacht werden. Die Langbeiträge umfassen 5.000 – 7.000 Wörter (Abbildungen und Referenzen nicht mitgerechnet).

(2) Daten-Experimente / Publikation von Datensätzen

Verantwortlich: Lisa Dieckmann und Ulrike Wuttke

Diese Beitragskategorie beschäftigt sich mit der Publikation von Datensätzen. Gesucht werden hier vor allem unkonventionelle corpora obscura. Die Datensätze sollen frei verfügbar, bspw. über ein anerkanntes institutionelles, fachliches oder generisches Forschungsdatenrepositorium veröffentlicht werden und dabei möglichst die FAIR-Prinzipien (findable, accessible, interoperable, reusable) berücksichtigen. Darüber hinaus soll ein Beitrag im Umfang von 3.000 – 5.000 Wörtern (Abbildungen und Referenzen nicht mitgerechnet) in der ZfdG publiziert werden, der die Erstellung und die Besonderheiten des Datensatzes beschreibt und methodische Anknüpfungspunkte und konkrete Forschungsfragen aufzeigt (Data Paper). Die nachfolgenden Beispiele sollen die geforderte Kombination aus Datensätzen und begleitenden Artikeln anhand bestehender dataset publications illustrieren:

·   Standardized Project Gutenberg (Text; Dataset)

·   TED Talks as Data (Text; Dataset)


Bitte reichen Sie zunächst Abstracts im Umfang von 500 – 1.000 Wörtern ein und stellen Sie dar, welche Daten Sie publizieren wollen und inwiefern diese relevant für die DH-Community sind. Gehen Sie dabei auch kurz auf die Berücksichtigung der FAIR-Prinzipien und die geplante Infrastruktur zur nachhaltigen Veröffentlichung der Daten ein, sofern es in diese Richtung bereits Überlegungen gibt. Falls der Datensatz bereits (vollständig oder in Teilen) veröffentlicht wurde, bitten wir um eine kurze Motivation der Publikation im Rahmen des geplanten Sammelbands.

(3) Code-Experimente / Publikation von ausführbaren Notebooks

Verantwortlich: Manuel Burghardt undNiels Walkowski

Neben der Publikation von Datensätzen, ist ein weiteres Experiment dieses Sammelbands die Veröffentlichung von „executable publications“. Gesucht sind hier interaktive Jupyter Notebooks (Python und R-basiert), die, sofern möglich, zusammen mit den verwendeten Daten und einer technischen Dokumentation als Git-Repositorium eingereicht werden. Alle Notebooks haben neben den Code-Abschnitten eine klar strukturierte und verständliche textuelle Komponente. Einreichungen in dieser Kategorie werden parallel in einer ausführbaren Version bei Melusina Press und einer statischen Textversion im Umfang von 3.000 – 5.000 Wörtern (Abbildungen und Referenzen nicht mitgerechnet) in der ZfdG publiziert.

Ziel dieser Beitragskategorie ist die Verschränkung textueller Passagen mit code-basierten Explorationen innerhalb eines wissenschaftlich-narrativen Zusammenhangs. Dabei soll die häufig anzutreffende Rollenverteilung von Text als Mittel der Interpretation und Daten/Code als Ort empirischer Stringenz aufgebrochen werden. Wir gehen davon aus, dass Code genauso gut eine Theorie kommunizieren kann wie Textualität verschiedenste Formen der Evidenz zu produzieren vermag. Beiträge in dieser Kategorie sollten diesen gleichberechtigten und experimentellen Umgang mit beiden Modalitäten (und anderen, wie z. B. Bildern) ernstnehmen und entsprechend widerspiegeln. Code-Experimente können dabei ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. So kann in essayistischer Manier einer Forschungsfrage oder einem Forschungsgegenstand nachgegangen werden. Ein methodisch orientiertes executable paper wiederum kann interaktive Komponenten dazu nutzen, eine neue Forschungsmethode unter weitreichender Einbeziehung von LeserInnen zu vermitteln und durch Parametrisierbarkeit diese Komponenten umfänglich evaluierbar zu machen.

Bei Interesse an einer Einreichung dieser Art wird um eine frühzeitige Mitteilung gebeten. Weitere technische Anforderungen und formale Vorgaben werden nach Kontaktaufnahme zugesendet. Gefordert sind weiterhin Abstracts im Umfang von 500 – 1.000 Wörtern, die das Konzept und die Struktur des Notebooks erläutern. Es sollte dabei deutlich werden, inwiefern die später ausführbaren Code-Komponenten einen epistemologischen Mehrwert gegenüber einer rein textuellen Beschreibung bringen.

Literatur zum Call

  • Earhart, A. (2015). The digital humanities as a laboratory. MIT Press.
  • Hannaway, O. (1986). Laboratory Design and the Aim of Science: Andreas Libavius versus Tycho Brahe. In Isis – Journal of the History of Science Society 77(4), 585-610.
  • Knorr-Cetina, K. (1991). Die Fabrikation von Erkenntnis: Zur Anthropologie der Naturwissenschaft (Vol. 959). Suhrkamp.
  • Lane, R. J. (2016). The Big Humanities: Digital Humanities/Digital Laboratories. Routledge.
  • Siemens, L. & Siemens, R. (2012). Notes from the Collaboratory: An Informal Study of an Academic Lab in Transition. Book of Abstracts, DH Conference 2012, Hamburg.
  • Pawlicka-Deger, U. (2020). The Laboratory Turn: Exploring Discourses, Landscapes, and Models of Humanities Labs. In Digital Humanities Quarterly, 14(3).




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news-11784 Thu, 17 Dec 2020 05:47:00 +0100 Call for Partification: vDHd2021 - Experimente /beitrag/2020/12/17/call-for-partification-vdhd2021-experimente

Die 8. Jahrestagung des Verbands “Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V.” in Potsdam wird auf das Jahr 2022 verschoben. Um 2021 dennoch Raum zum Austausch, Zeit für Reflexion, Vertiefung und Diskussion von Forschungsthemen zu bieten, wollen wir mit einem Alternativformat experimentieren, der vDHd2021! Das übergeordnete Thema dieser virtuellen DHd lautet “Experimente”. Die vDHd2021 wird von der Community für die Community und mit Unterstützung der DHd e.V. organisiert. Das Ziel ist, die Vielfalt der deutschsprachigen Digital Humanities durch die Nutzung experimenteller Formate ohne Furcht vor Fehlschlägen zu präsentieren und der Community zugleich die Möglichkeit geben, sich auch im nächsten Jahr zu begegnen, sich auszutauschen und zu experimentieren! An den Formaten soll man auf jeden Fall online partizipieren können, gegebenenfalls können sie aber mit Events, bei denen sich eine kleinere Gruppe auch “vor Ort” befindet, verknüpft werden.

Thema: Experimente!

Experimente sind in den Digital Humanities allein schon sprachlich allgegenwärtig. Forschungszentren bezeichnen sich selbst als Labore, es werden experimentelle Methoden entwickelt, man nähert sich Datensätzen experimentell etc. Inwieweit steckt hinter der Verwendung dieses Vokabulars, das zunächst in den Naturwissenschaften etabliert wurde, mehr als bloße Metaphorik? Erlauben Experimente Reproduzierbarkeit und Objektivität des Erkenntnisgewinns auch für die Geisteswissenschaften? Was genau sind Experimente in den Digital Humanities? Welche ethischen, technischen und prinzipiellen Grenzen haben Experimente in den Digital Humanities? Das sind nur einige Fragen zum Thema Experimente, die wir im nächsten Jahr gemeinsam diskutieren möchten. Zugleich laden wir mit der virtuellen DHd ein, experimentell an virtuelle Konferenzen heranzutreten und insbesondere neue Formate und Tools auszuprobieren, die anderen Partizipations- und Präsentationslogiken folgen.

Die Eventformate

Hinsichtlich der Formate gibt es keine strikten Vorgaben. Es können digitale Vorträge, Paneldiskussionen, Projektvorstellungen und Posterslams organisiert, Filme gezeigt, Webinare angeboten, soziale Events wie digitale Kaffeepausen und Stammtische eingerichtet und Podcasts, Grafiken oder Texte präsentiert werden. Digitale Preisausschreiben, Interviewsessions, Schnitzeljagden, Speed-Dating, Blogparaden, etc.: anything goes – solange das Event virtuell besuchbar, offen, integrativ und mit möglichst offener Lizenz versehen und nachhaltig abgelegt ist.

Anstatt eines einzelnen Events, in dem alle Formate gebündelt werden, möchten wir die Veranstaltungen wie folgt über das Jahr verteilen:

Erste Eventtage in der KW 12: 22.–26.03.2021
Zwischenevents
(möglich zwischen KW 12 und 37): hier vor allem Projektvorstellungen
Zweite Eventtage
in der KW 37: 13.-17.09.2021

Die beiden Eventwochen sollen analog zu einer Konferenzwoche in einem begrenzten Zeitrahmen von 2–3 Tagen Aktivitäten und Aufmerksamkeit bündeln. Um eine breite Partizipation zu ermöglichen, können jedoch auch darüber hinaus an anderen Terminen Zwischenevents insbesondere für Projektvorstellungen angeboten werden, die ebenfalls zur vDHd2021 dazuzählen und in das Gesamtprogramm aufgenommen werden.

Klassische Vorstellungen von Projekten oder Arbeiten werden bevorzugt in den Zwischenevents und auf dem Blog untergebracht, um während den beiden Eventwochen Raum für freiere Formate zu bieten.

Uns schwebt vor, dass die Community sich selbst organisiert und Veranstaltungsvorschläge gemeinsam eingereicht werden. Für die beiden Eventwochen sollte die Veranstaltungsdauer einzelner Events eher kurz sein (45 Minuten). Nichtsdestotrotz kann es, dem Charakter der Veranstaltung entsprechend, auch hier Ausnahmen geben – wir bitten dann um eine entsprechende Information.

Publikation

Für die wissenschaftliche Publikationsform wird es einen separaten Call for Papers geben, in dem ein Peer-Review-Prozess etabliert wird. Alle Beitragenden der vDHd2021 werden herzlich zur Beteiligung eingeladen.

Darüber hinaus kann das vDHd2021-Blog https://vdhd2021.hypotheses.org/ als Präsentationsplattform für alternative Formate, Projektvorstellungen und Berichte von den Events (Experimentbericht!) genutzt werden. Hierfür bitten wir um einen Hinweis bei der Einreichung.

Infrastruktur

Es wird keine übergreifende Videokonferenzinfrastruktur genutzt, diese muss von der Organisation eines Participants selbst gestellt werden. Bitte klären Sie Kapazitätsgrenzen, Support und Lizenzfragen vorab mit dem zuständigen Rechenzentrum. Optimal ist die Vorbereitung einer Ausweich-Lösung, falls es zu Problemen kommt. Auch die mit einer Aufzeichnung verbundenen Fragen (Technik, Rechte, Datenschutz) sollten von Ihnen geklärt werden.

Sie haben eine tolle Idee, aber es fehlt die technische Infrastruktur? Dann sollten Sie zunächst selbst nach möglichen Partner:innen suchen. Wir planen für den Anfang des Jahres eine “Speeddating”-Runde als erstes Vorevent, in der sich mögliche Gleichgesinnte ebenfalls finden können.

Einreichung der Vorschläge

Bitte senden Sie uns Ihren Vorschlag als Schreiben, Video oder Pitch und füllen das Formular aus, das die folgenden Angaben abfragt:

  • Titel, Eventformat und inhaltliche Beschreibung der vorgeschlagenen Aktivität
  • Erläuterungen zum vorgeschlagenen Format und insbesondere, inwieweit es die Community mobilisiert und partizipieren lässt
  • Angaben zur Dauer des Events und zum gewünschten Termin
  • Die präferierte Kommunikations- oder Streaming-Plattform sowie verfügbaren Support oder eventuelle Fallback-Lösungen bei Problemen
  • Nennung der beteiligten Personen und ggf. zugehörigen Einrichtung. Auch Nachwuchswissenschaftler:innen (inklusive Studierender) werden nachdrücklich zur Beteiligung aufgefordert.
  • Angabe, ob der Vorschlag weiteren Personen Raum zur Mitarbeit eröffnet


Einreichungen sollten die Länge von 500- 1000 Wörtern bzw. 5 Minuten nicht überschreiten.

Bitte informieren Sie uns, ob Sie Ihre Veranstaltung in den Eventwochen oder als Zwischenevent organisieren möchten. Das Organisationsteam wird einen thematisch sinnvollen Gesamtablauf vorschlagen, so dass es ggf. zu anderen Terminvorschlägen kommen kann.

Die primäre Sprache der Veranstaltung ist Deutsch. Vorschläge sollen in deutscher, können aber auch in englischer Sprache eingereicht werden. Die Aktivitäten selbst sollen auf Deutsch durchgeführt werden, sie können aber in begründeten Fällen auch auf Englisch oder mehrsprachig durchgeführt werden.

Auswahl der Vorschläge

Neben dem DH-Bezug, den wir als selbstverständlich voraussetzen, gehören zu den Auswahlkriterien:

  • Experimenteller Charakter: Formate, die sich deutlich vom klassischen Vortrag unterscheiden, experimentellen Charakter haben und vielleicht sogar nur online möglich sind, werden priorisiert.
  • Partizipation: Anders als bei einer klassischen Veranstaltung bietet ein virtuelles Event ganz andere Möglichkeiten zur Einbeziehung der Teilnehmer:innen. Formate, die auf aktive Partizipation setzen, werden daher bevorzugt.
  • Keine Angst vor Fehlern: Auch aus Experimenten, die scheitern, lernen wir für die Zukunft. Aus diesem Grund wird explizit dazu aufgefordert, ohne Furcht vor Fehlschlägen und innovativ zu improvisieren – und einen Plan B im Ärmel zu haben.


Wir setzen keinen klassischen wissenschaftlichen Reviewprozess um. Aus organisatorischen Gründen behalten wir uns vor, ähnlich gelagerte Formate zusammenzulegen bzw. eine Vernetzung herzustellen. Abgelehnt werden Einreichungen, die thematisch bzw. organisatorisch nicht zum Call passen oder gegen die Satzung des DHd e.V. verstoßen.

Bitte senden Sie uns Ihr Proposal über das vorbereitete Webformular. Alternative Einreichungsformate können über URL mit eingebunden werden.

Fristende des Call for Participation: 7. Januar 2021. Die Teilnehmenden werden bis Ende Januar über die Auswahl informiert.

Lust, bei der Organisation mitzumachen? Dann bitte eine Mail an vdhd2021@dig-hum.de.

Kontakt

Das Organisationsteam

Benjamin Auberer
Daniel Brenn
Manuel Burghardt
Lea Gleissner
Daniel Haas
Patrick Helling
Jürgen Hermes
Mareike König
Lisa Kolodzie
Simone Kronenwett
Waltraud von Pippich
Berenike Rensinghoff
Torsten Roeder
Mareike Schumacher
Melanie Seltmann
Timo Steyer
Peer Trilcke
Andreas Wagner
Ulrike Wuttke

Mail: vdhd2021@dig-hum.de
Blog: http://vdhd2021.hypotheses.org 
Twitter: @vDHd2021
Discord: https://discord.gg/u5hzceQ



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news-11761 Fri, 11 Dec 2020 13:07:00 +0100 Experimente /beitrag/2020/12/11/experimente

Das Experiment. Es ist nicht klar, was dabei herauskommt. Es trägt immer auch Versuchscharakter.

Das Experiment kann waghalsig sein. Einige würden es fürchten.

Ein offenes Ende kann zu ihm gehören.

Etwas Eigenartiges, Sonderbares, Unvorhersehbares kann dabei herauskommen!

Methoden können ins Wanken gebracht, hinterfragt, in die radikale Kritik getrieben werden, Irritation kann in starre Gefüge sich einfinden, das Neue bekommt eine Chance.

Durchgeführt nach exaktem Plan, sind Ergebnisse des Experiments selbst gerade nicht planbar.

Wären die Ergebnisse miteingeplant/planbar, ginge der experimentelle Charakter verloren. Es wäre kein Experiment mehr.

Das Prozesshafte ist dem Experimentellen inhärent. Wie das Forschen und die Forschung, Erkundung, Prüfung und Wahrheitsfindung, begleiten Experimente die Episteme, bringen das Starre in Fluß, öffnen zur Zukunft, treiben die Wissenschaft voran.

#vDHd2021

Zum Thema Experimente werden im Jahr 2021 Veranstaltungen im Rahmen der virtuellen vDHd 2021 stattfinden. Die Jahrestagung des Verbands der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum wurde wegen der Corona-Pandemie auf das Jahr 2022 verschoben. Es ist Zeit für das selbst experimentelle Ersatzformat einer virtuellen vDHd 2021.

Der Call for Participation zum Thema Experimente für das Alternativformat vDHd 2021 läuft noch bis zum 7.1.2021.



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news-9903 Mon, 30 Nov 2020 09:54:00 +0100 Screen + Shot /beitrag/2020/11/30/screen-shot

Der Screenshot ist ein fabelhaftes Instrument. Es ist das allzeit mögliche, computerinterne, auch nur partielle Abfotografieren des augenblicklichen Bildschirms. Er gehört zu den ersten Instrumenten, die man sich aneignen sollte im Sinne einer digitalen Propädeutik, wenn man einen neuen Computer hat.

Denn: Als Instrument der Beweissicherung kann er unschätzbaren Wert erhalten. Stößt man beispielsweise im Internet auf ein Plagiat der eigenen Schriften, wird der erste Schritt sein (nein, nicht irgendwen anrufen oder eine E-Mail schreiben): einen Screenshot der Stellen anfertigen. Die Beweissicherung ist der erste Schritt. Ist ein download des Plagiattextes möglich, wäre das natürlich die erste Wahl der Speicherung.

Als Möglichkeit punktgenauer, rasant schneller Dokumentation sollte man die zu drückenden Tasten für einen Screenshot wirklich aus dem Effeff beherrschen. Bei mir zum Beispiel ist es: 4 + cmd + shift (3 Tasten zugleich) -> Möglichkeit eines Auswahlfensters bietet sich sogleich -> das "Abgeschossene" speichert sich automatisch als png-Bilddatei auf dem Desktop/Schreibtisch. Einfach und super.

Die Auflösung ist nicht total Panne, sondern gewissermaßen geeicht dafür, an einem Computerbildschirm beschaut zu werden. Die Bildauflösung eines Screenshots beträgt automatisch 144 dpi. Das geschossene Bild kann getrost dem/der Kollegen/-in weitergeschickt werden, man kann manuell mit dem Cursor in den automatisch vergebenen Bildnamen (z.B. "Bildschirmfoto 2020-04-12 um 10.26.24") clicken und die Bilddatei umbenennen (z.B. "Marees_Orangenpfluecker_1887_Version_01").

Wer als Kunsthistoriker oder Bildwissenschaftler, der auch mit dem Computer arbeitet, den Screenshot nicht beherrscht, der gleicht dem Athleten, den die gymnastische Kniebeuge in die Bredouille bringt. Ein Feld von Möglichkeiten ergibt sich:

- Dokumentation
Während einer virtuellen Konferenz lassen sich Präsentationen der/des Kollegen/-in abfotografieren, somit sichern und für die weitere Nacharbeit bewahren. Nicht jedes Detail einer vielbeschriebenen Folie wird sich in der Eile der Zeit mitschreiben lassen.

- Merkbilder
Zugpläne, Öffnungszeiten, Landkarten, ... im fluiden digitalen Medium werden (wieder) zu starren (Merk-) Bildern - man muss nicht alles auf Papier ausdrucken, man schießt es ab -> Screenshot.

- Festhalten des Augenblicklichen
Z.B. als Kultur der ursprünglich künstlerischen Praxis des film stills: aus Film-/Videomaterial generiert der Screenshot ein Bild. Auch im strengeren Sinn des Photographischen erzeugt der Screenshot aus dem auf dem Monitor Bewegten ein (genuin digitales) Bild.

- Bildbearbeitung
Sie arbeiten z.B. an einer Skizze von Marees. Sie möchten sich auf ein Detail dieser Skizze konzentrieren, es für die Publikation extra in den Fließtext Ihres Beitrags einarbeiten. Sie möchten ein Detail einer Abbildung aus einem digitalen Archiv extrahieren -> Screenshot.

- Medienverbindung
Der genuin digitale Screenshot vermittelt mit Leichtigkeit unterschiedlichste Medien: Sie setzen z.B. den Teil einer Textseite, den Sie nochmal lesen werden, neben das Detail eines Gemäldes aus einem digitalen Bildarchiv, daneben setzen Sie den Screenshot einer Infographik aus einem Online-Vortrag - ein individueller, digitaler Leuchttisch entsteht. Auch dieser lässt sich abfotografieren: Collage der eigenen Arbeit.

Wer gute Verwendungsmöglichkeiten für Screenshots kennt oder hacks auf Lager hat, teile sie in einem Kommentar hier unter diesem Blogbeitrag.

Dass der Gute Screenshot heißt, und nicht Monitorfoto, etc., wollen wir ihm nicht verübeln. Man lasse sich davon nicht abschrecken. In der Sache ist der Screenshot das Recht zur, individuellen, Dokumentation und eine wohl beständig unterschätzte Möglichkeit.

Der Screenshot. Er ist gleichsam das Recht des Digitalbürgers, das Gesehene auch zu bewahren. Manchmal muß man recht schnell sein. Aber die Chance war gegeben. Beim nächsten Mal, fertigen Sie mal einen Screenshot an. In noch ungeahnter Stunde könnte er zum Trumpf werden.




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news-11517 Tue, 24 Nov 2020 14:00:03 +0100 Open Access? /beitrag/2020/11/24/open-access-4  Ich hatte einen kleinen Disput auf Twitter bzgl. der Definition von Open Access. Die "offizielle" Definition, auf die man mich verwies, war die von openaccessnet: "[OA] meint, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, sodass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken [und] in ihnen suchen [...] können [...]" Ich finde diese Definition unzureichend, weil ein ganz entscheidender Punkt fehlt.

 

Vor einigen Monaten musste ich mich für einen Vortrag mit Zeitlichkeitsstrukturen in der Malerei Adolph Menzels beschäftigen. Eigentlich etwas, was ich schon öfter gemacht hatte. Dringend notwendig war deswegen ein neuer Ansatz. Über eine google-Suche, die ich leider präzise gar nicht mehr rekonstruieren kann, bin ich bei einem grandiosen Aufsatz von Matias Martinez über  "Tücke des Objekts als negative Theodizee : Friedrich Theodor Vischer, 'Auch Einer' (1878) gelandet, der mir wie eine Offenbarung vorkam, weil er einen sehr aufschlussreichen Hinweis auf die prekäre Stellung des Menschen in Menzels Genrebildern zu liefern schien. Aber um den Inhalt soll es hier ja gar nicht gehen, sondern um die Recherche. Auf den open access vorliegenden Text von Martinez bin ich über eine gesteuerte, aber gleichzeitig diffuse Suche in der Suchmaschine gestoßen, also nicht über eine gezielte Abfrage eines Buches oder Aufsatzes. Daher würde ich sagen, dass die oben angegebene Definition von open access unbedingt zu ergänzen ist um die Feststellung, dass solche Texte über eine freie Suchmaschineneingabe aufzuspüren sein müssen, dass sie also bei den diversen Suchmaschinenbetreibern freigegeben werden müssen. Das scheint mir ein ganz essenzieller Bestandteil von dem zu sein, was unter dem Stichwort der serendipity läuft. Ich sage das nur, weil ich Verlage kenne, die ihre open access zugänglichen Texte einfach nur über ihre jeweilige Homepage annoncieren. 

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news-11388 Mon, 09 Nov 2020 06:11:00 +0100 "Das digitale Bild - Methodik und Methodologie", Workshop, 12.-13.11.2020 /beitrag/2020/11/09/das-digitale-bild-methodik-und-methodologie-workshop-12-13112020

Das DFG-Schwerpunktprogramm "Das digitale Bild" veranstaltet diese Woche seinen ersten öffentlichen Workshop zum Thema "Das digitale Bild - Methodik und Methodologie: fachspezifisch oder transdisziplinär?", am 12. und 13. November 2020 (zum Programm). Eine Teilnahme ist auch unter Lockdown-Bedingungen möglich - digital. Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist bis zum 11. November um 18 Uhr möglich (zur Anmeldung). Den/die Besucher*in des Workshops erwarten zwei Tage voll vielversprechender Vorträge, Panels, Diskussionen und einem Abendvortrag rund um das Thema der Methodik und Methodologie des digitalen Bildes.

Das Programm organisiert sich entlang folgender drei Sektionen:

Zu den Vortragenden gehören neben den Teilnehmer*innen des Schwerpunktprogramms auch ausgesprochen interessante Expert*innen aus unterschiedlichen Fachbereichen. Echt nett klingt das an beiden Tagen den Veranstaltungen vorausgeschaltete viertelstündliche "Digitale Warm-Up" (jeweils 8:45-9:00 Uhr). Das heißt, dass ein Viertelstündchen für gemeinsames Plaudern vorgesehen ist - im Virtuellen.

Alles in allem winkt eine vielversprechende, erkenntnisreiche Zeit. Ich würde Ihnen zur Anmeldung raten, auch wenn Sie an diesen Tagen nicht alle Vorträge werden wahrnehmen können. Melden Sie sich an!










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news-11078 Wed, 07 Oct 2020 17:08:29 +0200 3 Fragen an ... Harald Sack /beitrag/2020/10/07/3-fragen-an-harald-sack

1) Wie erklären Sie den Knowledge Graph für Einsteiger?

Rohe Daten an sich sind vollkommen nutzlos. Ihre eigentliche Bedeutung erschließt sich erst, sofern diese miteinander in Bezug gesetzt werden können, und zwar auf eine Weise, dass sie einen Zweck erfüllen. In und über einen Wissensgraphen können Daten, beliebige Dokumente und Wissen miteinander verknüpft werden. Die Besonderheit liegt dabei daran, dass ein Wissensgraph es ermöglicht, die Bedeutung (Semantik) der darin repräsentierten Daten explizit (über sogenannte Ontologien) zu hinterlegen. Dadurch können diese Informationen automatisch weiterverarbeitet werden. Die Datenverarbeitung wird dadurch weitaus flexibler und weniger wartungsaufwändig. Desweiteren ermöglicht die im Wissensgraphen repräsentierte explizite Semantik die Implementierung intelligenter Such- und Empfehlungssysteme. Moderne Suchmaschinen aber auch die großen Social Media Dienste oder E-Commerce Plattformen setzen heute Wissensgraphen ein, um die Suche oder das Generieren von Vorschlägen passgenau auf den Nutzer hin zu optimieren.

2) Sehen Sie bzgl. des Knowledge Graphs Spezifika für Kulturdaten?

Die Verknüpfung von Kulturdaten mit Wissensgraphen führt zu neuen Wegen der Erschließung von kulturbezogenen Informationen. Kulturdaten unterscheiden sich als Daten betrachtet kaum von anderen Daten, jedoch durch das "Kulturwissen", das mit diesen verknüpft wird. Dies ermöglicht neue Formen des Zugangs, der Analyse oder auch der Visualisierung.

3) Welche weiterführende Literatur können Sie empfehlen?

Für einen "leichtgewichtigen" Einstieg in das Thema Linked Open Data:
C. Bizer, T. Heath, T. Berners-Lee: Linked Data - the Story So Far, Int. J. Semantic Web Inf. Syst. 5 (2009): 1-22


Für den, der tiefer in die Technologie einsteigen möchte:
P. Hitzler, M. Krötsch, S. Rudolph: Foundations of Semantic Web Technologies, Chapman & Hall/CRC, 2014.





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news-10924 Sat, 19 Sep 2020 17:22:20 +0200 Research Tools, Data Services - Workshop "NFDI4Culture Explained" - Teil II /beitrag/2020/09/19/research-tools-data-services-workshop-nfdi4culture-explained-teil-ii

Software. Sie ist das Herz der Forschung in den Computational Humanities. Daten: Sie sind ihr Stoff. Gemeinsame Entwicklung von Software aber steht auf dem Programm des geisteswissenschaftlichen NFDI4Culture-Konsortiums im Projekt einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Hinzu kommen die Registrierung, Evaluierung und Zertifizierung von Software und Programmierschnittstellen. D.h., die Erfassung und Bewertung in Hinsicht einer Kultur vom Gütesiegel begleiten, ergänzen und erweitern die Entwicklungsprozesse. Auf der Agenda befinden sich beispielsweise die Erarbeitung eines Kriterienkatalogs für nachhaltige Software und die Festsetzung von Richtlinien zur kollaborativen Softwareentwicklung.  

Beteiligung der Forschungs- / Fachgemeinde

Nun kommt es ins Spiel, das Partizipative: Denn all jene Punkte begleitend und einigen Punkten strategisch vorausgeschaltet ist die Beteiligung der Forschungs- und Fachgemeinde. Entnehmen Sie eine Aufzählung von Zielen und Diensten aus dem Tätigkeitsfeld "Research Tools and Data Services" des NFDI4Culture-Konsortiums der Darstellung (Abb. 2) im Rahmen des Vortrags von Lisa Dieckmann auf dem Workshop "NFDI4Culture Explained" vom 09.09.2020 (wir haben berichtet: zum Programm der Veranstaltung, Einführung durch Torsten Schrade).

     

NFDI4Culture-Konsortium, "Research Tools, Data Services" - Ziele

Man kann die Liste (vgl. Abb. 2) ja einmal Schritt für Schritt durchgehen:
Zunächst ist zu lesen: die "Beteiligung der Community bei der Formulierung von Bedarfen". Diesen als Ziel formulierten Anspruch nennen wir getrost ein ziemliches Novum. Als "Beteiligungsstruktur" hat die nationale Forschungsdateninfrastruktur sich auch bezeichnet. So langsam sickert vielleicht durch, um was es hier gehen soll. Bei all dem wird klar: Das Ganze steht und fällt mit der Art der Beteiligung.

Die "Registrierung und Evaluation von Forschungssoftware" steht als nächster Punkt auf der Liste. Äußerst positiv einzuschätzen ist der Akzent auf der Forschung. Der Bedarf ist groß.

Nun folgt mit der "Entwicklung und Zertifizierung von Software und APIs" ein wichtiger Punkt der Auflistung: Jede/r Wissenschaftler/-in dürfte Desiderate haben. Software und Programmierschnittstellen gestalten die Forschung der Zukunft wesentlich mit. Datengetriebene Forschung bedarf nicht nur geeigneter Software, sondern Grundlagenforschung als Datenforschung generiert fortlaufend Bedürfnisse nach innovativer Software. Geeignete Software erst lässt Daten zu Forschungsgegenständen im Digitalen werden. Und geeignete Schnittstellen erst gliedern Einzelvorhaben ein in das Gemeinsame des Netzes und bilden Anknüpfungsvorlagen.

Die "niederschwellige Bereitstellung von Tools" wird zudem aufgelistet. Diese Angebote dürften die Forschungslandschaft der Zukunft in einigen Bereichen verändern.

Schließlich wird die "Unterstützung bei der nachhaltigen Softwareentwicklung" unter den Zielen des Konsortiums für die Bereiche "Research Tools, Data Services" angeführt. Die NFDI verspricht richtungsweisend zu agieren und bietet Hilfestellung für ambitionierte, am Paradigma der Nachhaltigkeit orientierte Vorhaben.

NFDI4Culture-Konsortium, "Research Tools, Data Services" - Dienste

Ein "Forum Nachhaltige Softwareentwicklung" wird aufgebaut werden (vgl. Abb. 2).

Eine "Beratungsagentur für nachhaltige Forschungssoftware" befindet sich ebenfalls im Aufbau.

Erarbeitet und zur Verfügung gestellt werden auch die schon erwähnten "Richtlinien zur kollaborativen Softwareentwicklung", auf die man besonders aus der Digital Humanities-Perspektive gespannt sein darf.

Eine "fachspezifische Tool- und Diensteregistrierung" wird möglich sein. Bei dem der (Forschungsdaten-) "Infrastruktur" ohnehin anhaftenden Metaphorischen bieten sich hier weitere Vergleiche an: "KFZ Anmeldung", "Autokennzeichen", "TÜV-Siegel", "Abgasplakette", etc. Die Vorteile

  • für die Seite der Entwickler:
    Mehrfach-, Parallelentwicklung von Software und weiterer Technologie wird durch das Schema der Registrierung seltener vorkommen. Zentrale Anlaufstelle, die gewartet wird, Übersichtlichkeit.
  • für die Seite der Anwender:
    Eine zügig aufzurufende Übersicht zu vorhandenen Tools und Diensten erleichtert den Forschungsalltag im Dschungel selbsterklärter, unregelmäßig aktualisierter Info-Plattformen, sie dürfte zugleich informativ und praktisch sein.


Schließlich werden zu den angebotenen Diensten eine "bedarfsgerechte (Weiter-) Entwicklung von Research Tools und Data Services" gehören. Berühren die Punkte der "Dienste"-Liste bislang mehr das Diskursive, die Beratung, die Erfassung, so kommt abschließend das Schöpferische zum Zug. Es entsteht Neues ("Entwicklung"). Verwaisten Halden wird im Sinne von Kollaboration und auch Effizienz im Wissenschaftlichen vorwegzugreifen gesucht ("Weiterentwicklung").

Co-Spokespersons "Research Tools, Data Services": Lisa Dieckmann (Univ. zu Köln) und Daniel Röwenstrunk (Univ. Paderborn)

Den angeführten Bereichen stehen Lisa Dieckmann (Universität zu Köln) und Daniel Röwenstrunk (Universität Paderborn) vor. Lisa Dieckmann kennt man von Prometheus - Das verteilte digitale Bildarchiv und von zahlreichen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte und dem Verband der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum, DHd-Verband. Promotion zu "Traumdramaturgie und Selbstreflexion: Bildstrategien romantischer Traumdarstellungen im Spannungsfeld zeitgenössischer Traumtheorie und Ästhetik", Cologne: MAP, 2015 (DOI: http://dx.doi.org/10.16994/bab). Mit Lisa Dieckmann repräsentiert eine Kunsthistorikerin, gemeinsam mit dem Wirtschaftsinformatiker Röwenstrunk, eine strategisch wichtige Stelle im geisteswissenschaftlichen NFDI4Culture-Vorhaben und ich möchte sagen: sein Herz. Erkennt man an die Rolle von Software und die Relevanz der Beschaffenheit von Programmierschnittstellen für das Gedeihen, die Lebendigkeit und die Exzellenz von Digital Humanities (DH)-Forschung, so wird man an dieser Stelle beipflichten. Software als Herz der DH-Forschung - die Leistungen zur Software das Herz einer Forschungsdateninfrastruktur.

Lesen Sie im nächsten Beitrag zum Workshop "NFDI4Culture Explained" zu dem Thema des sagenumwobenen Knowledge Graphs.





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news-10838 Sun, 13 Sep 2020 10:51:38 +0200 Wie war´s? - Workshop "NFDI4Culture Explained" - Teil I /beitrag/2020/09/13/wie-wars-workshop-nfdi4culture-explained-teil-i

Zur Kultur einer das Partizipative hochhaltenden, gemeinschaftlichen Unternehmung mag gehören, dass man, noch vor dem offiziellen Gründungstermin, öffentlich tagt. Im Virtuellen stellten sich am Aufbau einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) Beteiligte, speziell aus dem Bereich der Kulturdaten, öffentlich der Diskussion. Für die Veranstaltung "Culture Community Workshop - NFDI4Culture Explained" kamen am 09.09.2020 etwa 150 Personen zusammen. Die Förderbewilligung für das NFDI4Culture-Konsortium steht. Der offizielle Startschuß ist der 01.10.2020. Es gibt viel zu erörtern.

Die Entwicklung einer nationalen Forschungsdateninfrastruktur hängt von der Art und Qualität der Beteiligung der Forschenden ab. Den Grundsatz, dass Forschungsdaten im Digitalen gemäß sog. FAIR-Prinzipien für die Gewährleistung ihrer Auffindbarkeit, Zugänglichkeit, Interoperabilität, Wiederverwendbarkeit und für die, mit diesen Prinzipien verbundenen, gewünschten Spillover-Effekte zu publizieren seien, formulierte die OECD bereits 2007 (OECD Principles and Guidelines for Access to Research Data from Public Funding, 2007). Die Anschlußfähigkeit der Forschung zum internationalen digitalen Daten-Netzwerk wurde seither für die deutsche Seite insbesondere vom Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) wissenschaftspolitisch vorangetrieben und theoretisch begleitet (zuletzt RfII, Datendienste nachhaltig gestalten. Ein Diskussionsimpuls zur Weiterentwicklung von Forschungsdateninfrastrukturen, Göttingen 2020). Heute nimmt eine NFDI zunehmend konkrete Formen an.

Spokesman Schrade (AdWL Mainz) informierte mit folgenden Folien (Abb. 1 - Abb. 11) zu den Themenbereichen: Zusammensetzung des NFDI4Culture-Konsortiums (Abb. 2), Entwicklung im Überblick (Abb. 3), die neun Konsortien (Abb. 4), Perspektiven weiterer Konsortien ab 2021-22 (Abb. 5), Partner (Abb. 6), Tätigkeitsfelder (Abb. 7) und Möglichkeiten der Partizipation (Abb. 8-11) im NFDI4Culture-Konsortium:

   
  

NFDI4Culture im Überblick

  
 

Timeline stattgefundener Aktivitäten bis zum Beginn 01/10/2020

  
 

Die Konsortien

  
 

NFDI4Culture - Tätigkeitsfelder

  
 

NFDI4Culture - Partizipation & Angebote


Lesen Sie zu den Themen "Research Tools, Data Services, Legal Helpdesk", "Overarching Technical, Legal and Ethical Activities", dem sagenumwobenen "Knowledge Graph", "Data Capture and Enrichment of Digital Cultural Assets" und "Data Standards, Data Quality and Curation" hier im Blog in den folgenden Tagen. 

Grundlegende, laufend aktualisierte Informationen erhalten Sie über die Website des NFDI4Culture-Konsortiums.
Einige Aspekte des stattgefundenen Workshops lassen sich, auch im Nachhinein, über den Twitter-Hashtag #4CultureExplained einsehen.


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news-10746 Mon, 31 Aug 2020 15:48:20 +0200 NFDI4Culture - Virtueller Workshop #1 /beitrag/2020/08/31/nfdi4culture-virtueller-workshop-1

Das einzige in der ersten Förderrunde zum Vorhaben einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) erfolgreiche geisteswissenschaftliche Konsortium NFDI4Culture organisiert seinen ersten öffentlichen Workshop seit der Förderbewilligung. Geplant ist die Bildung von drei Gruppen, in denen jeweils spezifische Arbeitsgebiete erörtert werden. Möglichkeiten zur Beteiligung an den Vorhaben und Angeboten des NFDI4Culture-Konsortiums werden zudem von den Co-Spokespersons vorgestellt werden. Folgende drei Gruppen stellen sich gemäß Workshop-Programm der Diskussion:

1     (Collaborative) Data Enrichment (Ina Blümel, Reinhard Altenhöner)
       FAIR data for Research (Barbara Wiermann, Christian Bracht)
2     Research Tools and Data Services (Lisa Dieckmann, Daniel Röwenstrunk)
       Legal Helpdesk (Harald Sack, Franziska Boehm)
3     Data Publication and Data Availability (Maria Effinger, Jens Bove)
       Cultural Research Data Academy (CRDA) - Professionalisation, Qualification and
       Training (Malte Hagener, Andreas Münzmay)

Position, Spezifik und Ausrichtung des NFDI4Culture-Konsortiums innerhalb der gesamten neun NFDI-Konsortien einerseits und andererseits innerhalb der Kultur-Fachbereiche gilt es zudem zu erörtern. Die Situation ist die folgende:

Die Möglichkeit zum Aufbau einer gemeinsamen Infrastruktur für digitale Forschungsdaten im Konsortialverbund (lat. consortium - Gütergemeinschaft) ist der Art historisch zum ersten Mal und auf diese Weise wohl auch nicht wieder gegeben. Lassen sich die Forschung und Arbeit mit digitalen Daten, die digitalen Datenflüsse, verbundene Dienste und weitere Leistungen metaphorisch mit dem System des Straßenverkehrs gleichsetzen, so ist zu sagen:

Die Planung einer Architektur für den Verkehr, für Datenflüsse, -prozesse und -management, der Aufbau eines Verkehrsleitsystems, wird Wege, Orte, Netze an Verbindungen generieren, virtuelle Plätze, die wiederum weitere Möglichkeiten der Verbindung, des Transfers und der Interaktion eröffnen. Auch die wie bisher sich bottom up bildenden Trampelpfade, eigensinnige Anarcholösungen oder bereits etablierte Prozeduren lassen sich in eine solche architektonische Struktur integrieren. Der Aufbau der Infrastruktur und verbundener Dienste ist nicht mehr oder weniger theoretisch als Planung und Bau eines Verkehrssystems, an dessen Straßen stetig noch gebaut wird, während sie längst befahren werden.

Das Neue zieht über das Digitale ein. Die Professionalisierung erfordert zunehmend Regulierungen und Richtwerte. Auf lange Sicht birgt das Vorhaben einer NFDI ebenso Chancen. Nochmal der Vergleich mit Verkehrssystemen: Man wird den Fluß nicht selbst zu durchqueren haben, wenn man weiß, dass es eine Brücke gibt. Auch Schnellstraßen müssen kein Traum bleiben. Nur: Eine Autobahn baut niemand allein. 

Workshop am 09.09.2020, 10-12h

"Nach der Bewilligung ist vor der Gründung. Die Nationale Forschungsdateninfrastruktur mit ihren Konsortien unterschiedlicher Datendomänen gilt es nun sorgfältig zu gestalten. Dabei gibt es viele Fragen und sie wollen konkret beantwortet werden." (NFDI4Culture) Durch Teilnahme am virtuellen Workshop am 09.09.2020, 10-12h, Anmeldung über coordination-office@nfdi4culture.de bis zum 04.09., kann man sich einschalten.
Interessierte folgen dem Twitter-Hashtag zum Workshop #4CultureExplained.

    



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news-10465 Fri, 26 Jun 2020 16:22:00 +0200 Forschungsdateninfrastruktur (national) für das kulturelle Erbe /beitrag/2020/06/26/forschungsdateninfrastruktur-national-fuer-das-kulturelle-erbe

Okay, es gibt Neuigkeiten. Vorhin wurden die Gewinner der ersten Förderrunde des forschungspolitischen und -praktischen Mammutprojekts einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) verkündet (Pressemitteilung PM 04/2020, Berlin/Bonn, 26.06.2020). Unter den neun zur Förderung ausgewählten Konsortien ist das Konsortium zu Forschungsdaten des kulturellen Erbes, "NFDI4Culture - Konsortium für Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern" (Internetseite NFDI4Culture). Das Fördervolumen für NFDI4Culture beträgt 18,5 Mio. Euro, der Förderzeitraum beläuft sich auf 5 Jahre. Als Trägerinstitution federführend ist die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz (ADW Mainz, Mitteilung v. 26.06.2020d. Sprechers Torsten Schrade). Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) aus Bund und Ländern verkündete heute die Förderbescheide. Eine Förderempfehlung lag der GWK auch von Seiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vor, die für ihre Empfehlungen, in mehrstufigem, wissenschaftsgeleitetem Prozess erarbeitet, auch internationale Expertise hinzuzog.

Vorweg: Da bis 2028 für die Forschungslandschaft der Zukunft hier weichenstellende Dinge passieren werden, könnten Sie, um stets auf dem Laufenden zu bleiben (hier im Blog wird nicht jeder einzelne Schritt vorgestellt werden), sich einen Twitter-Account einrichten und dem ihre News auch via Twitter mitteilenden NFDI4Culture-Konsortium auf dem NFDI4Culture-Kanal folgen (@NFDI4Culture).

Die neun Konsortien

Was fällt auf? Neben sieben Fördereinheiten aus den Bereichen Biologie, Ökologie, Chemie, Medizin und den Ingenieurswissenschaften sind die Geistes- und Sozialwissenschaften mit zwei Konsortien vertreten (Abb. 1).

2 x Biologie
2 x Chemie
2 x Medizin
1 x Ingenieurwissenschaften
1 x Sozialwissenschaften
1 x Geisteswissenschaften


Der Stellengrad in der Relevanz digitaler Forschungsdaten für die Wissenschaft und einer übergreifenden, gemeinsamen Infrastruktur für die Forschungsdaten, neben der Förderantragsqualität, nicht die eigentliche gesamtwirtschaftliche Bedeutung bemessen auf das BIP, ein datengetriebener Stellengrad, so könnte man vielleicht sagen, bildet sich über die Auswahl der zu fördernden Bereiche ab: Die Geistes- und Sozialwissenschaften sind nämlich ordentlich vertreten, decken gemeinsam etwa 22,22% des Gesamtfördervolumens (76 Mio. Euro) aus Förderphase 1 (5 Jahre) ab.

Eine Menge kluger Köpfe zerbrach sich seit langem dieselbigen, in zahlreichen Zusammenkünften betreffend der Idee und Entwicklung einer Forschungsdateninfrastruktur auf nationaler Ebene und schließlich der Phase der Förderanträge. Konsens bestand darin, dass eine NFDI beträchtliche Chancen birgt. Diese mitzugestalten, war das Anliegen. Für die hier aufgeführten Förderbereiche ist dies für die Initialphase des NFDI-Projekts Wirklichkeit geworden.

Das NFDI4Culture-Konsortium

Schön illustrieren die im steten Wechsel sich einblendenden Bilder auf der NFDI4Culture-Homepage (Abb. 3), welche Bereiche im einzigen geisteswissenschaftlichen Konsortium der NFDI zusammengeführt werden: Architektur, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theater-, Film- und Media-Studies.

NFDI Förderphase 1 - ohne Mathematik, Jura, Philosophie ... und ohne Lit.wiss. sowie keine der Philologien

Eine weitere Überraschung - neben den im Gesamt prozentual ordentlich vertretenen Geistes- und Sozialwissenschaften - lässt sich ausmachen, oder Sie haben es vielleicht schon bemerkt: Einige big player innerhalb der Geisteswissenschaften, und der Fakultäten Jura, Theologie, etc., werden von Förderung in der ersten Förderperiode nicht bedacht: die Literaturwissenschaft, z.B. Deren eigentliche Rolle, gerade in methodologischer Hinsicht (auch im Selbstverständnis) ist auf der deutschen geisteswissenschaftlichen Forschungsebene, traditionell einerseits und andererseits für die digitalen Geisteswissenschaften, nicht zu unterschätzen.

Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft - nö. Gab es bei den Juristen weniger Initiative? Man versteht es nicht. Hat Jurisprudenz geringeren forschungsdatenbezogenen Stellenwert? Ganz zu schweigen von den immer etwas fies "Orchideenfächer" genannten Kleinstfächern, die nicht gefördert werden, von den neu zu schaffenden und bereits geschaffenen Strukturen auf lange Sicht jedoch hoffentlich ebenfalls profitieren werden. Zu hoffen ist, dass integriert wird, weniger ausgeschlossen. Und von Seiten der Nichtbeteiligten, dass mehr kooperiert wird, sei es durch Rat und Kritik, als sich entzogen.

Die digitale Kunstgeschichte im NFDI4Culture-Konsortium

Eine "digitale Kunstgeschichte", in weiten Teilen Arbeit mit Daten sowie Datenwissenschaft, profitiert von der Förderung innerhalb der NFDI, und dies schon und gerade in der Initialphase, natürlich immens. Nichts Geringeres als Ausarbeitungen gemeinsamer Normdaten, Metadatenstandards und Hinarbeit auf weitere Standardisierung im Bereich der Forschungsdaten stehen auf der Agenda. Aller Stolz gebührt dem Projekt "Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland (CbDD)" (CbDD-Homepage), über das hier im Blog noch berichtet werden wird.

Wir sehen im Planen einer Architektur für den weiteren Datenverkehr und Umgang mit Forschungsdaten die Möglichkeit, dass so Wege, ja ein Netz an Straßenverbindungen plus Verkehrsleitsystemen, entstehen, die befahren werden. Dass nicht wie bisher auch Trampelpfade, die grassroot-mäßig bottom up entstehen (versus der top down NFDI-Architektur), sich bilden und ungeheuer stark frequentiert werden, widerspricht dem nicht und ist zu wünschen. Der Aufbau der Architektur ist also nicht mehr oder weniger theoretisch als Planung und Bau von Verkehrsstraßen, an denen stetig noch gebaut wird, während sie längst befahren werden.

FAIR-Daten

Dem Prinzip sogenannter "FAIR"-Daten verpflichtet, können über die neue Forschungsdateninfrastruktur auch neue forscherische Wege beschritten werden, ja die Struktur, ihr Rahmen, sollte der Referenzpunkt der mit Daten arbeitenden Wissenschaften in Deutschland werden, auf lange Sicht. Das Prinzip der FAIR-Daten gewährt die Anschlussfähigkeit der Forschung, die Auffindbarkeit der Daten, die Zugänglichkeit, Interoperabilität und Wiederverwertbarkeit der Daten ("findability, accessibility, interoperability, reusability").

National? Und nach 2028?

Schwierig, aber das ist ja nichts Neues, sind die Aspekte (1) der nationalen Ebene, und, wie immer, (2) die Begrenztheit der Förderdauer (Gesamtzeit: 2020-2028). (1) Denn, es versteht sich, man würde zu entwickelnde und erfolgreich eingeführte Standards gern zügig ins Internationale tragen oder international, länderübergreifend entwickeln. Gerade für Forschungsdaten, bei denen die "language barrier" keine Rolle spielt, die also nicht mit Schwierigkeiten durch sprachliche Übersetzungen zu hantieren haben (im Extrem das Unübersetzbare), ist das Internationale als Perspektive nicht nur reizvoll, sondern naheliegend und sinnvoll, der Natur des Digitalen ist es ohnehin inhärent. (2) Zudem macht ein Wissen um die Begrenztheit der Förderdauer aus den Bestrebungen eben "Projekte".

Man kann den geförderten Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur alles Gute und viel Erfolg wünschen, bei allem Visionären die erforderliche Umsicht, und gratulieren!





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news-10303 Sat, 06 Jun 2020 15:12:59 +0200 Kulturrettungsschirm 2020 /beitrag/2020/06/06/kulturrettungsschirm-2020

Das Bundesministerium für Kultur und Medien gab vorgestern den Start eines umfassenden Förderprogramms für Kultur und Kulturschaffende in der Höhe von 1 Milliarde € bekannt (Pressemitteilung vom 04.06.2020). Die Summe verteilt sich wie folgt: 250 Millionen € für die Aufrüstung der Kultureinrichtungen für ihre Wiedereröffnung, 450 Millionen € für die Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur und für Nothilfen, 150 Millionen € für die Förderung "alternativer, auch digitaler Angebote" und 100 Millionen € für pandemiebedingten Mehrbedarf von aus Bundesmitteln finanzierten Kulturinstitutionen.


Der Großteil des Konjunkturpakets ist vorgesehen für die Förderung - Erhalt und Stärkung - der Infrastruktur der Institutionen sowie für Nothilfen. Der Aufrüstung der Einrichtungen für ihr reopening wird ein Viertel der Gesamtfördersumme zugesprochen. Sehr interessant, und von Andreas Kilb in "Ein Geschenk, aber wofür?", in: F.A.Z. v. 5.6.2020, S. 11, zu Recht als das Zukunftsträchtige angesehen, ist die Förderung „alternativer, auch digitaler Angebote“. Hier findet sich das Experimentierfeld. Geld für Innovation. Hier erhält das Neue die Chance. Das Digitale hätte eigens als Möglichkeit alternativer Angebote der Kultureinrichtungen nicht subsumierend erwähnt werden brauchen. Der Hinweis auf das Digitale dient der Verdeutlichung, ist ein Wink. Ein Teil der neuen, verglichen mit den bisherigen, traditionellen Angeboten, alternativen Dienste und Leistungen wird sich genuin digital aufstellen.

Die „Weichen auf Zukunft“ zu stellen sei laut Staatsministerin Grütters die Intension des Hilfsprogramms. Es heißt „Neustart Kultur“. Neustart? Das kulturelle Leben sei seit der Zeit der kollektiven Quarantäne erlahmt oder, im Fall von Schließungen, zwangserloschen oder kaum noch am Laufen. Nun gelte: neuer Start, neue Taktung.

Nebenher ist freilich, alternativ, für einige Bereiche, wie die Musikszene, auf gewissen Wegen das kulturelle Leben weder vollständig eingeschlafen noch erloschen, sondern treibt, auch unter Corona-Bedingungen sich fortsetzend, neue Blüten.


Die virtuelle Konzerthalle und die virtuelle Museumsführung werden von Grütters im Pressetext schließlich, neben der online-Lesung mit Chat-Elementen, als Exempel für den Bau neuer Wege, Plätze und Orte für den Kreis des Publikums angeführt. Nur Mut!

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news-10103 Mon, 11 May 2020 18:39:55 +0200 3 Fragen an ... Hans Belting /beitrag/2020/05/11/3-fragen-an-hans-belting

1) Sie haben zur Anthropologie der Maske gearbeitet. Was wird das Masketragen und Maskensehen auf längere Zeit für Europäer bedeuten?

Nach meinem Begriff von Maske ist die jetzige Nase- und Mundbedeckung nicht aus der Geschichte der Gesichtsmaske abzuleiten. Vgl. mein Buch Faces, das in der englischen Übersetzung den Titel trägt: Face and Mask. A Double History.

2) Sie haben auch eine (Corona-Schutz-) Maske - wie sieht sie aus?

Ich habe mir sagen lassen, der FPP2 Typ sei angesichts meines Alters der für mich beste.

3) An welche Lehrveranstaltung (Seminar, Vorlesung, Tutorium, etc.) aus Ihrer Studienzeit erinnern Sie sich besonders gerne und warum (Mehrfachnennung möglich)?

Meine Studienzeit liegt so lange zurück, dass ich mich an gar keine Lehrveranstaltung mehr erinnere.







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news-9767 Wed, 06 May 2020 21:37:00 +0200 Halluzinierende Maschinen /beitrag/2020/05/06/halluzinierende-maschinen

Vor einiger Zeit stand ich mit drei Virtual Reality- / Artificial Intelligence-Mittelbauern um einen dieser Stehtische, die bei Konferenzen gerne im Foyer aufgebaut werden. Maschinen könnten Halluzinationen haben, sagte der eine. Das passiere dann, wenn sie einseitig "trainiert" worden seien. Sie identifizierten dann etwa Tumore in medizinischen Aufnahmen, wo keine sind.

Die Maschine bekommt Einbildungen. Ein-gebildet hat es ihr der Mensch. Der hier gemeinte "bias", die Voreingenommenheit/Schieflage/"Linksdrall" der Maschine, besagt, dass ein - je nach Forschungszusammenhang - unzureichend zusammengestelltes Datenset selbst nach intensiver Arbeit (Training, deep learning) wiederholt falsche Ergebnisse zeitigt. Diese werden auch nicht richtiger, wenn noch mehr trainiert wird.

Wer stets und immer wieder zu Matisse arbeitet, wird seine Expertise hingegen wohl entfalten und den falschen Matisse gerade identifizieren. Das Auge ist zunehmend geschult. Der Blick, er baut auf auf kunsthistorischem Wissen. Das Dazulernen geschieht in der permanenten Konfrontation mit dem Nicht-Matisse. Die Kenntnisse erweitern sich bis hin zu einem Verständnis vom frühen, späten, untypischen Matisse. Aber wer stets und immer wieder das Dürer-Monogramm vor Augen hat, wird er eines Tages, leichtfertig, das Monogramm vorschnell "abnicken", obwohl es gefälscht ist? Das ist, beim Kunsthistoriker wie bei der Maschine, eine Frage der Prägung.

Wenn die Maschine stets und einseitig mit Tumorbildern gespeist wird, kann es passieren, dass sie Tumore identifiziert, wo keine sind. Die Maschine halluziniert. Dysfunktional ist die wahnsinnige Maschine genau dann, wenn es ihr alleiniger Sinn sein soll, Tumore mit der Treffsicherheit des ausgefeiltesten Mediziners und noch darüber hinaus zu diagnostizieren.

Die Mittelbauer lachten. Einer blieb ernst.




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news-9827 Sun, 26 Apr 2020 15:47:00 +0200 Neue Taktung /beitrag/2020/04/26/neue-taktung

Jörg Träger hat einmal die Umorientierung des Menschen weg von der Religions- hin zur Staatsgemeinde durch die veränderte Gewohnheit beschrieben, die private Uhr nicht mehr nach der Kirchturmuhr, sondern nach der Bahnhofsuhr zu stellen.

Die Geschichte ist weiterzudenken. Die Bürger verabreden sich beim Dorfwirt. Alois kommt ständig zu spät. Er hat seine Uhr nach der Kirchturmuhr gestellt. Selbst Alois, der seine Uhr beharrlich nach der Kirchturmuhr stellte, wird seine Uhr nun auch an der Bahnhofsuhr ausrichten. Oder an den Uhren der Mitbürger, und vermittelt über diese an der Bahnhofsuhr.

Auch die beharrlichsten, nahe der Kirche lebenden, ihre Uhren schon immer an der Kirchturmuhr ausrichtenden, öfter auf die Kirchturmuhr als auf die private Uhr sehenden Bürger beginnen nach und nach, ihre Uhren an der Bahnhofsuhr auszurichten. Sie haben einfach zu oft den Zug in die Stadt verpasst.

Irgendwann wird der Küster der Kirche die Kirchturmuhr verstellen. Auf die Zeit, die an der Bahnhofsuhr abzulesen ist. Die Kirchturm- und die Bahnhofsuhr gehen nun wieder im gleichen Takt. Wer aber sich an wem auszurichten hatte, wissen die Beteiligten.

Zur Zeit orientiert sich viel am Digitalen. Was ist digital schon da, digitalisiert oder digitalisierbar. Welche Prozesse sind ins Digitale übersetzbar, flexibel anpassbar, welche entziehen sich. Elemente etwa der Lehrveranstaltungen werden behutsam übersetzt.

Kommunikation, Information und Aufklärung organisieren sich zuletzt vermehrt digital. Wissensdistribution erfolgt zunehmend digital. Diskussionen finden öfter digital statt, als früher. Für weitere Bereiche menschlicher Interaktion gilt dies ebenso. Eine neue Taktung zieht ein in das Betriebsleben vieler Institutionen: die Ausrichtung der Prozesse und Prozeduren am Digitalen.

Die Aufgabe der digital humanities kann hierbei sein: Wissen um die Schwierigkeiten und Chancen durch die digitale Transformation einzubringen, beratend und unterstützend zu agieren, und den langen Atem zu bewahren. Beizutragen, dass manch einer der nicht genuin digitalen Mechanismen, in Rückbesinnung auf das Analoge, seinen Ursprung nicht vergisst.




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news-9920 Tue, 21 Apr 2020 09:32:59 +0200 Stichwort Rekreation /beitrag/2020/04/21/stichwort-rekreation

Stichwort Rekreation: Finden Museen, Bibliotheken, Archive zur Rekreation in der Generalpause ihres einstmaligen Betriebslebens? Werden die Leute fortan hinter jeder Buchseite, jeder normalen (analogen) Eintrittskarte, jeder Türklinke die Viren fürchten?

Viele Kulturinstitutionen, -betriebe und -organisationen nutzen die Zeit der Quarantäne bereits zur Rekreation - strukturell und inhaltlich. Strukturell heißt, dass man sich "für das Digitale" "aufstellt" (insgeheim werden mehrere Phasen eines allgemeinen Lockdown erwartet, man wähnt sich in Phase 1). Inhaltlich heißt, dass man eigene "Angebote" nun verstärkt von der Idee eines digital an die Öffentlichkeit angeschlossenen, im privaten Heim sich aufhaltenden Interessenten/Nutzers aus konzipiert.

Das kleine Museum, die kleine Bibliothek, das kleine Spezialarchiv, wie verfahren sie nun? Die Giganten im Digitalen, welche Pläne schmieden sie generell und welche schmieden sie jetzt?

Was wird aus dem Komplex Schule/Bildung/Unterricht? In welche Richtung entwickeln sich die Unis?

Wirtschaftlich, aber auch kulturperspektivisch lautet die Frage: Wer bekommt welche Gelder für welche Rekreation?

Aus der Zeit vor Corona ist bereits die "alte" Zeit geworden. Aus dem früheren Betriebsleben der Institutionen ihr altes, ehemaliges, einstmaliges Leben. Es ist das "Leben von früher" geworden.



(Der Text ist, in leicht abgewandelter Form, den Schlußparagraphen von Generalpause entnommen.)


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news-9875 Sat, 11 Apr 2020 09:29:00 +0200 Conference Report: Art History in Quarantine /beitrag/2020/04/11/conference-report-art-history-in-quarantine

From Ecuador to Berlin, from the west coast of California to a small Swiss village, from Erlangen to New York City, scientists have joined forces for "Art History in Quarantine: Digital Transformations, Digital Futures". They connected worldwide via video conferencing software. Some of the international speakers gave their lectures from their rooms in strict quarantine. More than 300 participants came together, spending 3,5 hours in scientific exchange.

Among the highlights were: Paul Jaskot (Duke University) delivers a critique of the visualization practices and scenarios of the corona crisis. Infographics and diagrams on the course of the pandemic are the subject of dispute in terms of critical visual studies. Jaskot analyzes current information visualization images of the corona crisis (fig. 2). He also draws international comparisons (fig. 3), showing the individual tendency of each piece of infoviz to emphasize certain parameters, like either emphasizing cure or disease. The power of the images is to emphasize. One could say: image science was there when it was needed. The talk gained resonance.


Keith Haring´s declaration "Together we can stop AIDS" ("Todos juntos podemos parar el sida", mural painting, Barcelona, 1989, today: Museu d´Art Contemporani de Barcelona), originally art in public space, generated, 31 years after its creation, another echo, now in virtual public space, technologically reconstructed by Justin Underhill (University of California, Berkeley; see fig. 6, sketchfab https://sketchfab.com/artdotrip). The red-figured demonstration (see fig. 5) of human determination, unity, helplessness and energy in the face of the deadly disease, metaphorically depicted by Haring as a mighty snake monster, accompanied the participants in their thoughts - in California into the day, in Berlin into the night.

The organisation was in the hands of the editors of the International Journal for Digital Art History, Harald Klinke, Liska Surkemper, and Justin Underhill. Some aspects of the discussions can also be viewed in retrospect via the Twitter hashtag #AHinQuarantine. Links to individual presentations and sets of slides were also shared online, such as the contribution by Peter Bell and Jacqueline Klusik-Eckert (both Friedrich-Alexander-University of Erlangen-Nuremberg) from the Working Group on Digital Art History
Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte on the subject "Building a Support Group for Digital Teaching".

The conference reached well over 300 people. It was anything but boring. It will not have been the last event of this kind. The people, united in the boat of the pandemic, spent 3,5 hours together in scientific exchange.

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news-9870 Fri, 10 Apr 2020 21:45:15 +0200 Tagungsbericht: Art History in Quarantine /beitrag/2020/04/10/tagungsbericht-art-history-in-quarantine

Von Ecuador bis Berlin, von der kalifornischen Westküste bis in ein kleines Schweizer Dorf, von Erlangen bis New York City haben sich WissenschaftlerInnen für "Art History in Quarantine: Digital Transformations, Digital Futures" durch Videokonferenz-Software verbunden. Die internationalen RednerInnen meldeten sich in ihren Räumen teils aus strenger Quarantine. Über 300 Interessierte kamen zusammen, verbrachten 3,5 Stunden im wissenschaftlichen Austausch.

Zu den Highlights gehörten: Paul Jaskot (Duke University) liefert eine Kritik der Visualisierungspraktiken und -szenarien der Coronakrisen-Bildermacher. Infographiken und -diagramme zum Seuchenverlauf stehen bildwissenschaftlich zum Disput. Jaskot analysiert das Material auch im internationalen Vergleich (Abb. 3), zielt auf den jeweiligen Aufweis des Tendenziösen im objektiv auftretenden Genre der Informationsvisualisierung. Man könnte sagen: Die Bildwissenschaft war zur Stelle, als man sie brauchte. Der Beitrag genoss längeren Widerhall.


Keith Harings Kampfansage "Together we can stop AIDS" ("Todos juntos podemos parar el sida", Wandmalerei, Barcelona, 1989, heute: Museu d´Art Contemporani de Barcelona), ursprünglich Kunst im öffentlichen Raum, erzeugte, 31 Jahre nach der Entstehung, wiederum Echo, nun im virtuellen öffentlichen Raum, technologisch rekonstruiert von Justin Underhill (University of California, Berkeley; siehe Abb. 6, Sketchfab: https://sketchfab.com/artdotrip). Die rotfigurige Demonstration (siehe Abb. 5) menschlicher Entschlossenheit, Einheit, Hilflosigkeit und Tatkraft im Angesicht der, von Haring metaphorisch als mächtiges Schlangenungeheuer dargestellten, von Mensch zu Mensch übertragbaren, todbringenden Krankheit, begleitete die Teilnehmer noch in Gedanken - in Kalifornien in den Tag, in Berlin in den Abend.

Die Organisation lag in den Händen der Herausgeber des International Journal for Digital Art History, Harald Klinke, Liska Surkemper und Justin Underhill. Einzelne Aspekte der Diskussionen sind auch im Nachhinein noch über den Twitter-Hashtag #AHinQuarantine einzusehen. Auch Links zu einzelnen Präsentationen und Foliensätzen wurden online geteilt, so zum Beitrag von Peter Bell und Jacqueline Klusik-Eckert (beide Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) vom Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte zum Thema "Building a Support Group for Digital Teaching".

Die Konferenz hat weit über 300 Interessierte erreicht und verlief kurzweilig. Es wird nicht die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein. 3,5 Stunden verbrachten die Personen, vereint im Boot der Pandemie, in wissenschaftlichem Austausch.

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news-9855 Wed, 08 Apr 2020 16:26:39 +0200 Karfreitags-Kunstgeschichts-Konferenz /beitrag/2020/04/08/karfreitags-kunstgeschichts-konferenz

Die nächste virtuelle Konferenz steht vor der Tür. Wieder wurde viel online kommuniziert und distribuiert. Es gab einen Call for Papers für Beiträge zum Thema "Art History in Quarantine". Die vielversprechenden Sektionen lauten:

1) Distant teaching in art history
2) Closed culture: the museum at home
3) XR for culture
4) Artistic interventions

10.4.2020, Beginn: 17.30h CET, Dauer: ca. 3 1/2 Std.
Twitter-Hashtag: #AHinQuarantine

Der Tagungsort liegt im Virtuellen. Der Ort heißt zoom. Das ist ein wegen des Umgangs des Betriebs mit Restriktionen durch das nicht-US-amerikanische Datenschutzrecht sowie Störungen durch "zoom bombing" aktuell in die Diskussion geratenes kalifornisches Unternehmen für Videokonferenzen und online Live-Besprechungen.

Wer bei der Registrierung bei zoom das restriktivere Modell wählt, den Schutz der eigenen Daten betreffend, wird sozusagen damit bestraft, später während der Video-Session eingeschränkter interagieren zu können (Abb., "Gestattete Funktionalität"). Das Motto könnte lauten: Wie du mir, so ich dir. Wer bereitwillig bis hin zu Marketingcookies zustimmt, hat später das vollere Spektrum zur Disposition. Mehr Einblicke noch erhält der jeweilige "host" einer "session". Und so richtig viele Einblicke dann die Kalifornier selbst.



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news-9828 Sat, 04 Apr 2020 20:39:03 +0200 Generalpause /beitrag/2020/04/04/generalpause

Ende der Entfremdung: Der Staat gibt den Takt an: Generalpause. Eine Nation hält Mittagsschlaf, ohne festen Plan für den Abend. Es gilt kollektive Quarantäne. Staatliche Ermächtigungsgrundlage ist das Infektionsschutzgesetz - IfSG, § 30 IfSG: Quarantäne. Ein Drittel der Weltbevölkerung, so heißt es, ist in Zeiten der aktuellen Massenseuche Lungen"pest" durch amtlich angeordnete Sperrmaßnahmen derzeit nicht in der Lage, der bisherigen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Man ist zuhause.

Die Poesie zieht wieder ein in die Gesten und Bewegungen der Menschen. Zwei Freunde reparieren gemeinsam einen Reifen, in ruhiger Konzentration, ohne Hektik, stresslos. Ein Mädchen liest. Einer hält eine Frucht, hält sie ein wenig länger, wiegt sie noch ein wenig in der Hand. Jemand hantiert mit etwas und stoppt, aber nicht, um die U-Bahn noch zu erwischen, sondern, um den Arm des Plattenspielers in eine andere Rille zu legen.

Man fährt mit den Augen ab einen Ast in der näheren Umgebung, den man seit 10 Jahren auf diese Weise hätte nachzeichnen können - man tat es nicht. Ein Paar spielt miteinander Schach. Man hat es längere Zeit nicht miteinander getan. Seit die Frau den Mann besiegte, 1994. Seelenruhe zieht ein. Man sortiert etwas, öffnet Schubladen, beginnt zu basteln. Man hängt ein Bild um. Hängt alle Bilder um. Jedes Lächeln ist echt.

Wer Verwandte/Freunde in der sogenannten Risikogruppe hat, fühlt Sehnsucht, Leid, Liebe. Man darf sie nicht besuchen/umarmen (gemäß § 28 IfSG). So schreibt man sich ein in den Kreis des Lebens, aus dem man kommt (Die Lebensalter, Abb. 2). Man ist z.B. (wieder) Enkelkind, Großvater, Sohn. Italien verliert eine ganze Generation. Der zweithäufigste Suchbegriff mit dem Anfangsbuchstaben "B" vor acht Tagen bei mir im Viertel war "Bestatter".

Die Kunst der Deutschrömer kommt in den Sinn: eigentlich Zivilisationsflüchtlinge, vermeintlich retrograd, sehr italophil, in ihren Werken herrscht wieder - kein blanker Realismus, kein Naturalismus vermochte sie auszumerzen - die "Idee" und die Poesie. Viel Ruhe, Stillstand. Es ist kein naives Ideal, sondern eine reflektierte Idealität, eine nach dem Prozess der Entfremdung in sich zurückgefundene, gesuchte und vermittelte. Zuvor war sie gebrochen, oder ist es noch. Das heißt, dass auch Melancholie und Ironie an der Stelle sind.

Das Ideal lässt sich versuchsweise auch formal fassen, definieren und artikulieren. Nun kommt die digitale Kunstgeschichte ins Spiel, um die es hier geht:

Mit den Topoi von Nichtstun, Pausieren und Müßiggang, der "Generalpause" also, ideengeschichtlich assoziiert ist die Vorstellung eines Goldenen Zeitalters spätestens seit der Frühromantik. [1] In zahlreichen Versuchen ins Bild gefasst hat Hans von Mareés die Idee des Goldenen Zeitalters.

Für eine der Rötelskizzen (Abb. 3) lässt sich durch Farbmessung im Rotspektralen eine nahezu ideale binnen-geographische 3-er-Rhythmik definieren (Abb. 4; semantisch: Kopf des Jünglings am Baum und Zone um diesen Kopf - Köpfe des Greises und Kindes und Zone um diese Köpfe - Kniekehle des Greises): Stellen, an denen Rötel kumuliert, die vergleichsweise stärkeres Rot im Bild aufweisen und im digitalen Messverfahren höhere Rotfrequenzen erzielen.

Das heißt, der Künstler, das Ideal suchend und skizzierend, erwirkt in eigenartigem 3er-Takt an drei Stellen des Blattes Rotkumulation. Max Imdahl schrieb von der "Spur einer Gebärde" im Zeichnerischen, vom "Sichtbarkeitswert von hoher Sensibilität" des Gezeichneten, der Zeichnung als "direkte Spur einer Handbewegung", und mit dem von Schopenhauer beeinflußten Einfühlungstheoretiker Theodor Lipps, "daß eine Linie ihren Charakter der Hand verdankt, die sie gezogen hat." (1988) [2] Die Linie des Zeichners als Spur seiner Gebärde. Hier hat Imdahl vermutlich (auch) über sich selbst geschrieben. Es war sein letzter Text. Die Linien und Zeilen, das Hinterlassene = Spuren der lebendigen Gebärden für die die Linien Nachfahrenden, die Nachfahren.

Die Maschine nimmt, neben dem Farbwert, im "Sichtbarkeitswert" somit auch den Zeitwert und Kraftwert der Linien numerisch auf. Das Rötere, mit mehr Hämatit/Rötel/Rot, stammt aus zeitlich längerem Hantieren, unter dem Einsatz von mehr δύναμις (Aristoteles).

Es zeigte sich, dass eine Rhythmik intensiveren Rots besteht. Das heißt, der Künstler verwendet rhythmisch an drei Bildstellen mehr Rötel, die Hand führt intensiver, mehr Kraft, mehr Zeit wird an diesen Stellen aufgebracht, es entstehen andere Werte durch RedcolorTool-Messung als bei Stellen weniger intensiver Zeichnung. Es gibt mehr Rötel, mehr Rot, höhere Rotfrequenzen. Ein Dreiklang im Simultanen, wie ein Akkord der Musik. (Die 3er-Symbolik wird in der finalen Version des symbolistischen Werks auf unterschiedliche Weise thematisch und formal beibehalten werden.)

Die Maschine diversifiziert an Stellen, bei denen der Blick nicht mehr unterscheidet. Dem Begriff nach sind alle Bildstellen der Rötelzeichnung "gleich rot".

Im Monochromen nach Farbunterschieden zu suchen, wäre für den traditionell verfahrenden Kunsthistoriker methodisch Nonsense. Der Rötel wird einmal identifiziert, fertig. Das "Feld" in der imaginären relationalen Datenbank wird abgehakt.

Die Numerik der Mathematik und Informatik hilft an dieser Stelle, Farbwerte werden im digitalen Bild zu Zahlwerten. Die Quantifizierung gestattet den Vergleich einzelner Pixel. Unterschiedliche Messverfahren lassen sich vornehmen, die Ergebnisse der Messungen für die bestehenden Digitalisate, die digitalisierten Versionen der originalen Bilder, vergleichen. Im Komparativen leistet die Maschine die Ergänzung des Augensinns. Über ein Kunstwerk lässt sich nun mehr aussagen.






Ein weiteres Beispiel:

Das Bild "Paolo und Francesca" (Abb. 5) von Anselm Feuerbach evoziert den Moment, in dem das Paar aufhört zu lesen, und im Übergang soeben zum Nächsten sich befindet / Lesepause.

Dante Alighieri schreibt zur Geschichte von Paolo und Francesca in der "Göttlichen Komödie" (29-30):

    "Wir lasen eines Tages zum Vergnügen
    Von Lanzelot, wie Liebe ihn umstrickte,
    Allein und unbeargwohnt waren wir.
    Oft hieß des Buches Inhalt uns einander
    Scheu ansehn und verfärbte unsre Wangen;
    Doch nur e i n Punkt war´s, welcher uns bewältigt.
    Denn als wir, wie das langersehnte Lächeln
    Von solchem Liebenden geküßt ward, lasen,
    Da küßte, dem vereint ich ewig bleibe,
    Am ganzen Leibe zitternd, mir den Mund.
    Zum Kuppler ward das Buch und der´s geschrieben.
    An jenem Tage lasen wir nicht weiter. -- " [3]

Das Bild evoziert z.B. jene Pause: "An jenem Tage lasen wir nicht weiter. -- " [Z. 12]


"Doch nur e i n Punkt war´s, welcher uns bewältigt." [Z. 6]: Der Punkt ist die Pause der Schrift.





Phallisch aufgefasst hat Gemälde von Feuerbach zuletzt Daniel Kupper 2005. [4] Hier beschrieb er ein Porträt von Nanna, Feuerbachs bevorzugt in Italien abgebildetem Modell, und das einzige Attribut, Nannas Fächer (zum Gemälde), die phallische Lesart bezieht sich auf die einzelnen Glieder ihres vielgliedrigen Fächers. [3]

Im Rotspektralen erscheint das Bein des Mannes in "Paolo und Francesca" (Abb. 5), das im Sitzmotiv erotisch konnotiert ist (vgl. z.B. die Darstellung bei Jörg Träger, Goya. Die Kunst der Freiheit, München 2000, zur Historie der sexuellen Symbolik des Beinkreuzens im Genre Paarbildnis), als überdimensionaler Phallus (Abb. 6). Zusätzliche sexuelle Symbolik findet sich im Halten des Fingers zwischen die Seiten des Buchs.

Der Blick und der begrifflich identifizierende Zugriff auf das symbolistische Bild identifizierten die Farbe Rot für Paolos Hut. Durch die Situierung von Rot nahezu auf der Mittelachse der Leinwand erhält die Komposition Stabilität. Paolos Bein aber wäre bei der Beschreibung des Motivs durch Farbbegriffe (Farbnamen) nicht sogleich durch seine Rotwerte aufgefallen. Das Bein ist allenfalls etwas rötlich, "rot" aber, dem Farbbegriff nach, ist Paolos Barett.

Ein digitales Instrument zur Farbmessung in Bildern erfasst die Farben der einen Möglichkeit nach im metrischen Skalenniveau, ohne Nominalskala (zur Technologie des hier verwendeten Messverfahrens siehe Rot rechnen, Abschnitt "Technologie des Redcolor-Tools"). Die Farbbegriffe, mit denen wir als Kunsthistoriker*innen sprachlich verfahren, liegen "nur" dem Wort/Namen nach diskret, Farben der Sache nach jedoch kontinuiertlich vor. Hierin liegt die Herausforderung für jegliche maschinelle Annäherung an den Farbkosmos, welche die sprachlichen Farbbegriffe nicht ausklammert. Die Lösung des RedcolorTools verwendet die Zahl als Instrument, setzt für den Farbwert (jeweilige Entfernung von maximal wahrnehmbarem Rot) als Substitut die Zahl.

In der auch das Farbige berücksichtigenden Betrachtung des symbolistischen Bildes des Deutschrömers Feuerbach gäbe es somit ein rotes Barett, betonend das Denken, die ratio, subversiver, im Errötungsprozesse, ganz rechts im Bild, also dem Zukünftigen zugeordnet, ertönte als das Irrationale der Trieb. Paolo also hätte die geliebte Francesca nicht nur durch seine Körperhaltung, sondern auch durch Rot-(Energie-) Werte farblich umfangen.



Die Kunst der Deutschrömer evoziert das Ideal eher, als dass sie es offenkundig aufzeigte. Beinahe müsste man sage "ein Ideal" statt "das Ideal", denn Eindeutigkeit ist ersetzt worden durch eine Vielfalt an Verweisfiguren. In seiner jeweiligen, subjektiven Versenkung ist dem Betrachter für die Weile dieser Vertiefung eine Welt der Poesie, Ironie, des Humors und des Schönen in der Spätromantik eröffnet.

Das Gefühl, dass etwas vorbei ist (und Momente der Erinnerung, wie in "Ricordo di Tivoli", Abb. 7), zum Beispiel, kennt nicht nur unsere Zeit. In der Münchener Sammlung Schack (vielleicht wird es Ihr Münchener Lieblingsmuseum) beispielsweise können Sie selber vor den Originalen in ästhetischer Kontemplation Stimmungen aufnehmen, die auch sicherlich etwas haben von einer "Pause". - Und solange die Sammlungen geschlossen sind (auch die Berliner Nationalgalerie und viele weitere Museen haben die Deutschrömer Mareés, Feuerbach und Böcklin in ihrem Bestand), werte/r Leser/-in, werden Sie den Weg über die Internetseiten finden.

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Stichwort Rekreation: Finden Museen, Bibliotheken, Archive zur Rekreation in der Generalpause ihres einstmaligen Betriebslebens? Werden die Leute fortan hinter jeder Buchseite, jeder normalen (analogen) Eintrittskarte, jeder Türklinke die Viren fürchten?

Viele Kulturinstitutionen, -betriebe und -organisationen nutzen die Zeit der Quarantäne bereits zur Rekreation - strukturell und inhaltlich. Strukturell heißt, dass man sich "für das Digitale" "aufstellt" (insgeheim werden mehrere Phasen eines allgemeinen Lockdown erwartet, man wähnt sich in Phase 1). Inhaltlich heißt, dass man eigene "Angebote" nun verstärkt von der Idee eines digital an die Öffentlichkeit angeschlossenen, im privaten Heim sich aufhaltenden Interessenten/Nutzers aus konzipiert.

Die kleinen Buchhandlungen, der kleine Einzelhändler, was machen sie? Die Giganten im Digitalen, welche Pläne verfolgen sie generell und welche schmieden sie jetzt?

Welches Publikum erreichen Kulturveranstalter auf welche Weise im Digitalen?

Was wird aus dem Komplex Schule, Bildung, Unterricht? In welche Richtung entwickeln sich die Unis?

Aus der Zeit vor Corona ist bereits die "alte" Zeit geworden. Aus dem früheren Betriebsleben der Institutionen ist ihr altes, ehemaliges, einstmaliges Leben geworden. Es ist das "Leben von früher" geworden.


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Die Generalpause. Sie ist die allgemeine Stille des gesamten Orchesters. Nach ihr hebt ein neuer Ton an. Es ist der Mittagsschlaf der Nation 2020, die noch keine Pläne für den Abend hat. Ein wirtschaftlicher Stillstand, vom Staat eingeleitet, nachdem die Wissenschaft zu Wort kam. Die Generalpause dient dem Schutze der Menschheit. Irgendwann, nach dieser Zeit, finden die Menschen, durch jene Zeit, zur neuen Taktung.





[1] Friedrich Schlegel: Lucinde. Ein Roman, hg. von Karl Polheim, Stuttgart 1964 [1799], S. 31-32:
" "Sieh ich lernte von selbst, und ein Gott hat mancherlei Weisen mir in die Seele gepflanzt." So darf ich kühnlich sagen, wenn nicht von der fröhlichen Wissenschaft der Poesie die Rede ist, sondern von der gottähnlichen Kunst der Faulheit. [...] "O Müßiggang, Müßiggang! du bist die Lebensluft der Unschuld und der Begeisterung; dich atmen die Seligen, und selig ist wer dich hat und hegt, du heiliges Kleinod! einziges Fragment von Gottähnlichkeit, das uns noch aus dem Paradiese blieb." "

[2] Max Imdahl: Zu einer Zeichnung von Norbert Kricke (1988), in: Max Imdahl. Gesammelte Schriften, Bd. 1, Zur Kunst der Moderne, hg. von Angeli Janhsen-Vukicevic, S. 539-546, hier S. 543.

[3] Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie, 29-30:
"Wir lasen eines Tages zum Vergnügen
Von Lanzelot, wie Liebe ihn umstrickte,
Allein und unbeargwohnt waren wir.
Oft hieß des Buches Inhalt uns einander
Scheu ansehn und verfärbte unsre Wangen [röter, WP];
Doch nur e i n Punkt war´s, welcher uns bewältigt.
Denn als wir, wie das langersehnte Lächeln
Von solchem Liebenden geküßt ward, lasen,
Da küßte, dem vereint ich ewig bleibe,
Am ganzen Leibe zitternd, mir den Mund.
Zum Kuppler ward das Buch und der´s geschrieben.
An jenem Tage lasen wir nicht weiter. -- "

[4] Daniel Kupper: Anselm Feuerbach "Nanna mit Fächer". Zur Entstehung eines Erotikons, in: Jahrbuch der staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, Berlin 2005, S. 117-138.

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news-9766 Sat, 04 Apr 2020 08:35:00 +0200 Voll neu III /beitrag/2020/04/04/voll-neu-iii

Die Jahrestagung 2020 der Renaissance Society of America (RSA) in Philadelphia (2.-4.4.2020) wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Gemeinsam mit der Verantwortlichen für Digital Humanities der RSA Angela Dressen organisierte die Forschungseinheit "New Technologies and Renaissance Studies" (NTRS) eine virtuelle Konferenz am 2.4.2020, die NTRS-DH@RSA Virtual Conference.

"With the recent news of the cancellation of the Renaissance Society of America´s (RSA) annual meeting, the New Technologies and Renaissance Studies (NTRS) in collaboration with the RSA Discipline Representative for Digital Humanities are moving some of their presentations to a virtual setting.

The virtual conference consists of recorded presentations and a Twitter discussion.

By registering for this event, you will gain access to the recorded presentations of the presenters and receive information about the Twitter discussion that will be held on April 2. You are welcome to participate in the Twitter discussion."

Ein aktualisierter, modifizierter Call for Papers (mit Papier hat das längst nichts mehr zu tun) für das Experiment der virtuellen Konferenz der (NTRS-DH@) RSA-Jahrestagung fand nicht statt. Den Vortragenden der (ausgefallenen) "Ur-Konferenz" wurde freigestellt, Materialien für das neue (unbekannte www-) Publikum online verfügbar zu machen: von einer Video-Aufzeichnung des für die Konferenz vorgesehenen Vortrags bis hin zu Links für weiteres Infomaterial, Quellen (in den Screenshots die "Supporting Documents"-Links).

Kommuniziert und distribuiert wurde die neue, virtuelle Form der Tagung vor allem über Twitter. So habe auch ich Bescheid bekommen. Einen Teil der Organisation der Konferenz im Virtuellen übernahm die kanadische Firma Eventbrite. Hier war die Registrierung zur Tagung möglich. Zugangsdaten, Konferenzticket und -programm, dazu das Programm für die über Twitter stattfindende Diskussion der Vorträge, wurden online, digital per E-Mail zugestellt. Personenbezogene Daten werden von Evenbrite abgegriffen (Abb.). Eine Alternative, will man an der Konferenz teilnehmen, und das Programm der angekündigten Twitter-Diskussion einsehen, war nicht in Sicht.

Nun bin ich, da ich Teil der Iter (Gateway to the Middle Ages & Renaissance)-Community ungefragt auch noch geworden bin, in der Situation, die online gestellten Videos in aller Ruhe anzusehen. Von woaus ich will. Nur eines Computers und Internetzugangs bedarf es und meiner Zugangsdaten, die mit Kolleg*innen hätten geteilt werden können (nicht dürfen). Die Konferenz ließe sich zu beliebiger Uhrzeit wie ein Kolleg in einem Seminarraum abhalten - der Form nach eine Art Konferenzkino.



Begrüßung und Einführung (2x - Ray Siemens und Randa El Khatib) & Vortrag zu Twitter für Anfänger



Sektion 1: Digital explorations of space, place, and agency



Sektion II: Correspondence and disciplinary shifts across time



Sektion III: Digital approaches to studying early modern books and manuscripts



Sektion IV: Experiencing the past through visual models and virtual reality



Zu den Punkten 1)-3) (vgl.):

1) Wer kassiert die Daten?
Im Fall der virtuellen RSA-Konferenz 2020 schöpfen ab: Eventbrite, Twitter.
Wer die Videos aufzeichnet/mitschneidet, schöpft ebenso ab.
Wer Screenshots der Videos anfertigt, schöpft ab. Das habe ich getan.

2) Wer kann mitmachen?
Ohne Registration bei Eventbrite und ohne Registration bei Twitter sind weder das Ansehen der Vorträge, noch die Teilnahme an der Diskussion mit den Vortragenden und Fachkolleg*innen möglich. Jeder, der bei Eventbrite und Twitter registriert ist, kann mitmachen.

3) Was heißt das für die (kunsthistorische) Forschung?
In gewisser Weise gestaltet sich die virtuelle Konferenz inklusiver für Interessierte: Wer, da Räume nicht barrierefrei zugänglich sind, bei einer regulären Konferenz nicht hätte teilnehmen können, wer das Geld für die Fahrt nicht aufbringen kann, ist von diesen Hürden befreit.

Die Möglichkeiten zur Dokumentation, die sich bei regulären Konferenzen bieten (Foto-, Film-, Audioaufnahmen), sind gegeben und erweitert: Zurückspulen, Vorspulen, Pausieren, Lautstärke-, Helligkeitsregulierung, der Komfort der Video-/Audio-Technik kommt hinzu. Man wird in einigen Bereichen sozusagen Master, kann die Rede des Vortragenden für einen Moment stoppen (Pause), einzelne Stellen mehrmals hören (Wiederholen), vorzeitig abbrechen (Ende).

Die Diskussion klappt flüssig, jeder kommt zu Wort und tippt Bemerkungen und Fragen in der Form eines Tweets. Völligen Quatsch kann man auch schon mal wieder löschen. (Im Analogen undenkbar.) (Hat jmd. einen Screenshot des Tweets angefertigt, ist das Löschen schwieriger, man zieht seine Lehre.)

Folgeforschung, Nacharbeit, Vernetzung und weiterer Austausch sind möglich, verlaufen in anderen, anders bereiteten Bahnen, als gewohnt.


Nicht transportiert sich durch das virtuelle Setting der Konferenz das drollige Nägelknabbern des Nachwuchswissenschaftlers, kurz vor dem ersten eigenen Auftritt, die Penetranz eines Parfüms, der Dünkel des internationalen Keynote-Speakers, nur zum eigenen Vortrag einzutreffen, sich die Vorträge der Kolleg*innen zu sparen (ein bißchen wie früher bei "Wetten daß?", als manche internationale Stars schnell wieder weg mussten). Aber vielleicht waren das auch immer schon Ablenkungen vom Wesentlichen.

Situationskomik haben wir auch jetzt. Auch brandender Applaus transportiert sich digital. Allgemeines Mißfallen wohl weniger, drückt sich eher durch Ignorieren aus. Jeder mag selbst beurteilen, was und wie er auf virtuellen Konferenzen lernt und lehrt, ob und auf welche Weise das Neue einzieht. Verdienen diese virtuellen Settings die Bezeichnung "Konferenz" überhaupt? Vielleicht gibt es dazu Antworten auf dem nächsten Kunsthistorikertag 2021 #kht2021, - er widmet sich Formfragen.




Der Text ist Teil der Reihe "Voll neu"

Voll neu I
Voll neu II
Voll neu III






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news-9856 Fri, 03 Apr 2020 17:50:00 +0200 Voll neu II /beitrag/2020/04/03/voll-neu-ii

Versuchshalber nahm ich teil an einer Online-Konferenz. Versuchshalber, exemplarisch lassen sich die einzelnen Schritte, hinsichtlich der Datenfrage und der Konsequenzen für die Forschung, durchgehen. Ich handle als Privatperson, als Wissenschaftlerin in der Grundlagenforschung. Handelte ich im öffentlichen Amt, agierte mit Dienstgeheimnissen der angewandten Forschung, gestaltete sich die Lage komplizierter.

Zu beachten:
-1. Wer kassiert die Daten?
-2. Wer kann mitmachen?
-3. Was heißt das für die (kunsthistorische) Forschung?

[Fortsetzung folgt]


 

Der Text ist Teil der Reihe "Voll neu"

Voll neu I
Voll neu II
Voll neu III






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news-9857 Fri, 27 Mar 2020 17:07:00 +0100 Voll neu /beitrag/2020/03/27/voll-neu

Not macht bekanntlich erfinderisch. Zur Zeit haben wir viel Not. Sind wir jetzt auch besonders erfinderisch? Ja und Nein. Der Erfindergeist und das Innovative werden in Coronazeiten freilich ungeheuer geweckt und befördert. Nur spielt sich eben viel in den schon in prä-Coronazeiten vorhandenen, bereits etablierten Strukturen und Machtgefügen ab.

Private, meist US-amerikanische Kommunikations- und Veranstaltungsriesen im Digitalen erleben in der jetzigen Coronaphase ihren Super-boom. Was heißt das für die Kunstgeschichte? Dass etwa Versammlungen, Besprechungen, Konferenzen digital derzeit über die Instrumente all jener "Anbieter", "Services" und "Provider" laufen, die im Markt eingeführt sind oder ihn beherrschen.

Neu sind wir/Neues gibt es aber vielleicht auch hier. Oder sogar hier. Im internationalen Bereich - Paradefall: länderübergreifender Austausch via www - kollidieren die Interessen privater Konzerne mit denjenigen der staatlichen Universitäten nur deutlicher als ohnehin, mit weitreichenderen Folgen. Der Aspekt des Datenschutzrechtes wird thematisch. Er ist immer vorhanden, nur als Student*in/Dozent*in im regulären Semesteralltag, ohne internationale und digitale Komponenten, bemerkt man ihn weniger.

Die Frage nach der Konformität von Vorgängen mit dem Datenschutzrecht tritt im Rahmen der Erfüllung von Dienstaufgaben im öffentlichen Amt deutlich hervor. Wer greift welche Daten ab? Dienstgeheimnisse z.B. genießen staatlichen Schutz. Die Verletzung von Dienstgeheimnissen ist strafbar. Sie unterstehen einer besonderen Geheimhaltungspflicht, § 353b StGB.

Die datenschutzrechtlichen Bestimmungen der Länder divergieren. Ein bestimmter Datenfluss ist in dem einen Land erlaubt, in dem anderen verboten. Interessant ist das Internet-Spezifikum: Ströme digitaler Daten im Netz, die digitalen Datenströme, sie kennen qua ihrer Organisation keine Landesgrenzen. Das Internet, sein www-Aufsatz, breitet sich, dezentralisiert in einzelnen Hubs und Knotenpunkten organisert, gleich dem Strom von Flüssen, Meeren, Ozeanen über den Erdball. - - Nur: Es gilt: die Landesgesetzgebung. - -

Zum Neuseinwollen noch hinzu kommt das Neuseinkönnen und Neuseindürfen. Absolut starr hat man sich das juristische Gefüge der Normen nicht vorzustellen: Reformen treten zu Tage, doch es ist alles ein langwieriger Prozess. So voll neu geht nicht ruck zuck.

Rechtliche Bestimmungen im digitalen Zeitalter sind hier im Blog immer wieder Thema gewesen (Auszug). Gab es in der Frühzeit dieses Zeitalters vor allem massive Debatten um den Urheberrechtsschutz, so tritt soeben der gesamte Problemkomplex um das Datenschutzrecht im Digitalen in aller Deutlichkeit vor Augen.

[Fortsetzung folgt]







Der Text ist Teil der Reihe "Voll neu"

Voll neu I
Voll neu II
Voll neu III




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news-9751 Mon, 23 Mar 2020 12:45:00 +0100 Zur Ikonographie der Seuche /beitrag/2020/03/23/zur-ikonographie-der-seuche

"Man hat jener Pestilenz umso sorgloser entgegengesehn, da aus London die Nachricht angelangt war, dass sie verhältnismäßig nur wenige hingerafft. Es schien anfänglich sogar darauf abgesehen zu sein, sie zu verhöhnen, und man meinte, die Cholera werde, ebensowenig wie jede andere große Reputation, sich hier in Ansehn erhalten können. Da war es nun der guten Cholera nicht zu verdenken, dass sie, aus Furcht vor dem Ridikül, zu einem Mittel griff, welches schon Robespierre und Napoleon als probat befunden, dass sie nämlich, um sich in Respekt zu setzen, das Volk dezimiert. Bei dem großen Elende, das hier herrscht, bei der kolossalen Unsauberkeit, die nicht bloß bei den ärmeren Klassen zu finden ist, bei der Reizbarkeit des Volkes überhaupt, bei seinem grenzenlosen Leichtsinne, bei dem gänzlichen Mangel an Vorkehrungen und Vorsichtsmaßregeln mußte die Cholera hier rascher und furchtbarer als anderswo um sich greifen.

Ihre Ankunft war den 29. März offiziell bekannt gemacht worden, und da dieses der Tag des Demi-Carême und das Wetter sonnig und lieblich war, so tummelten sich die Pariser um so lustiger auf den Boulevards, wo man sogar Masken erblickte, die, in karikierter Mißfarbigkeit und Ungestalt, die Furcht vor der Cholera und die Krankheit selbst verspotteten. Desselben Abends waren die Redouten besuchter als jemals; übermütiges Gelächter überjauchzte fast die lauteste Musik, man erhitzte sich beim Chahût, einem nicht sehr zweideutigen Tanze, man schluckte dabei allerlei Eis und sonstig kaltes Getrinke: als plötzlich der lustigste der Arlequine eine allzu große Kühle in den Beinen verspürte, und die Maske abnahm, und zu aller Welt Verwunderung ein veilchenblaues Gesicht zum Vorscheine kam.

Man merkte bald, dass solches kein Spiel sei, und das Gelächter verstummte, und mehrere Wagen voll Menschen fuhr man von der Redoute gleich nach dem Hôtel-Dieu, dem Zentralhospitale, wo sie, in ihren abenteuerlichen Maskenkleidern anlangend, gleich verschieden. Da man in der ersten Bestürzung an Ansteckung glaubte und die ältern Gäste des Hôtel-Dieu ein gräßliches Angstgeschrei erhoben, so sind jene Toten, wie man sagt, so schnell beerdigt worden, dass man ihnen nicht einmal die buntscheckigen Narrenkleider auszog, und lustig, wie sie gelebt haben, liegen sie auch lustig im Grabe."

(Heinrich Heine, Französische Zustände, 1832, Heinrich Heine. Sämtliche Schriften, hg. von Klaus Briegleb, Bd. 3., München 1996, S. 169-170)

Der plötzliche Ausbruch der Cholera 1831 auf einem Pariser Maskenball übermittelte sich in Berichten und Erzählungen, so auch durch den stärksten Seismographen des Krisenhaften und des paradoxen Schreckens Heinrich Heine. Rethel fasst die Essenz der Schilderung ins Bild (siehe Abb.): Der Tod als Knochenfidler. Die Personen: Gerade tanzend, schon tot. Im Narrenkostüm, mit Karnevalsmasken. Wo Tanz stattfand, herrscht Todesgrauen. Wo Freude, Ausgelassenheit regierte, waltet die unerbittliche Macht der Massenseuche.

Lustige Leichen: Eine Lachmaske birgt ein Totengesicht. Über einer Frauenleiche liegt die Blumengirlande der Festtänzer. Der Harlekin bricht sterbend gekrümmt zusammen, elend verendend, jäh aus dem Leben gerissen. Musiker im Hintergrund fliehen, in panischer Aufruhr, das blanke Grauen vor Augen. Gebieterisch thront im Mittelgrund das Gespenst der Seuche im Flammenmantel mit Geißel. Einst war der fidelnde Tod maskiert. Die Maske trägt er nun lässig über dem Arm. In der Manier mittelalterlicher Totentänze spielt Freund Hein die einzige jetzt geltende Melodie.

1847, im Jahr vor der Märzrevolution 1848, wirft Alfred Rethel flüchtig, per Bleistift, seine Erfindung aufs Blatt. Erst die Fassung für den Holzschnitt, die Gustav Steinbrecher liefert, nachdem die Grauen der Revolution vorüber sind und die unmittelbaren Folgen für die Bevölkerung spürbar werden, ermöglicht die massenhafte Verbreitung des Bildes. Der "Fidelnde Tod" steht damit in einer, bereits im Mittelalter beginnenden, Tradition der Verbreitung von graphischen Blättern zu Tod und Seuche, in der in Frankreich zuerst nachzuweisenden, paradox-skurrilen Kategorie des "Totentanzes" (frz. Danse macabre). Dass Heines Zeilen Rethels Zeichnung inspirierten, wurde vermutet. Wie wirkt das Blatt? Dem heutigen Auge ist das Allegorische der Personifikation wohl fremder, als Heines Text.


[Fortsetzung folgt]


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news-9718 Wed, 18 Mar 2020 22:43:02 +0100 Die Online-Universität. Stand 2020 /beitrag/2020/03/18/die-online-universitaet-stand-2020

Sebastian Thrun müsste es eigentlich wissen. Er ist Informatiker, Experte für Künstliche Intelligenz und betreibt seit 2011 eine sogenannte Online-Akademie: Udacity. Welche Chancen stecken denn in solch einem Unterfangen, einem rein online vermittelten Lehrangebot? „Es geht bei Udacity nicht um Diskurs und freien Austausch von Gedanken. Da können die Unis nach wie vor einen größeren Beitrag leisten.“ (F.A.Z. v. 18.03.2020, S. N4)

Akademie ohne Diskurs? Münden Thruns Realisierungen teils kommerzieller Online-Kursangebote in blankem „Service“? Udacity: ein Service-Unternehmen? Populär wurde die digitale Universität ursprünglich durch frei für alle online zugängliche Lehrangebote, offen auch für Personen ohne Schulabschluss. Der Hit waren die 2011 startenden, von Thrun gemeinsam mit dem Stanforder Kollegen Peter Norvig abgehaltenen, frei für alle zugänglichen Kurse zur Künstlichen Intelligenz. Kostenfrei ist bei Udacity heute längst nicht mehr alles.

Diskurs und freier Austausch von Gedanken sind Nukleus der Tradition der Akademie nach abendländischem Vorbild. Der gegenseitige Austausch des Intellekts, ein Lehren und Lernen im Kreis anderer, in Zusammenkunft. Die Prinzipien Rede-Gegenrede, Frage-Antwort, Für-Wider leben in den Seminaren nicht zuletzt an deutschen Universitäten. Das Prinzip Frontalunterricht, das aus Lernenden, Studierenden (erstmal) passive Zuhörer (Konsumenten) und aus dem Lehrenden den starr übergeordneten Präzeptor (Advisor) werden lässt, ist jedoch wesentlich leichter in Online-Kurse übersetzbar. Elemente des Interaktiven, vor allem aber des Unvorhergesehenen, Ungeplanten, gar des Widerstands und der Kritik, des Spiels oder der (z.B. pädagogischen) Ironie sind komplizierter zu programmieren bzw. nicht programmierbar.

Der Diskurs und der freie Austausch der Gedanken seien gemäß Informatiker, KI-Experte und online-university Betreiber Thrun also „nach wie vor“ Domäne der regulären Universitäten. So weit, so gut. Nur: Wir sind in Zeiten der Pandemie. Also stellt sich die Frage: Wie? Was lässt sich online und digital transportieren, wie gedeihen Elemente von Interaktion, Kultur der Kritik, gar das Spielerische und Möglichkeiten, zu bilden und nicht nur anzuleiten/vorzustehen?

Die Kunstgeschichte zählte mit Lehrangeboten wie der Schule des Sehens zu den Vorreitern digitaler universitärer Lehrmodule. Zu Beginn des Jahrtausends, 2002, startete es. Diese alten Internetseiten zu durchblättern hat heute auch medienarchäologischen Charakter, schnell werden dabei die damaligen Rahmenbedingungen zu digitalen Lehrveranstaltungen/-modulen ersichtlich. Doch heute stellen sich unter völlig neuen technologischen Voraussetzungen all diese Fragen noch einmal neu. Und die Kunstgeschichte steht nun, am Beginn dieser pandemischen Krise, wirklich - so das Motto des nächsten Kunsthistorikertages - bei Formfragen. 

Eine Reihe selbsterklärter Info-Plattformen, nützliche Linksammlungen und verschiedene Foren des Austauschs zur Lage der digitalen Lehre sprießen seit ein paar Tagen, international vernetzt, aus dem Boden (alles online). Auf den Punkt gebracht hat den Stand der Lage gestern die Professorin Honor Sachs:

„Can we PLEASE stop calling what we are doing „ONLINE TEACHING“ already?

We are not „online teaching.“ Why? Because we would never teach online courses unless we knew how to teach online courses.

We are crisis-driven-global-pandemic-emergency-response teaching. Big difference.“

Das ist der Stand der digitalen, universitären Lehre 2020 zu Zeiten des Coronavirus. Was die rein, also zu 100% digitale Zusammenarbeit und den rein digitalen Austausch mit Arbeits-/Studienkollegen*innen betrifft, folgt hier abschließend diese getwitterte Bemerkung von Redakteur Jakob Rondthaler (@jakob_ron, Tweet vom 18.03.2020):

„Termine als TelKo sind kein Problem, aber wie kickert man remote?“

Lebendiges Zusammensein beinhaltet Möglichkeiten zu echtem Spiel, ohne Schwierigkeiten. Kickern unter Kollegen ist algorithmisch nachbildbar, aber digital nicht vollständig ersetzbar. Die vollständige Akademie geht eben auch in den Pausen zwischen den Veranstaltungen weiter und wird nicht abgeschaltet. Man atmet dieselbe Luft, weilt, lebt ein wenig untereinander.

Buchempfehlung: Johan Huizinga: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Hamburg 1956





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news-9700 Mon, 16 Mar 2020 14:30:40 +0100 „Geöffnet und aus aller Welt zugänglich“? Der digitale Kulturbetrieb in Zeiten der Pandemie /beitrag/2020/03/16/geoeffnet-und-aus-aller-welt-zugaenglich-der-digitale-kulturbetrieb-in-zeiten-der-pandemie

Wir sind in Zeiten der Pandemie. Kulturelle Angebote werden trotzdem oder gerade jetzt nachgefragt. Kulturbetriebe und Wissenschaftsinstitutionen verrichten in Zeiten der Pandemie weiterhin Arbeit. Eben anders. Der virtuelle Raum des World Wide Web und das Digitale erweisen und entfalten, nun auch für Computer- und Digitalitätsskeptiker ersichtlich, zunehmend ihre Potentiale in der Extremlage.

Die bayerischen Staatsgemäldesammlungen zum Beispiel, die zunächst bis einschließlich 20.4.2020 ihre Häuser geschlossen haben werden, formulieren (siehe Internetseite) wie folgt:

„Geöffnet und aus aller Welt zugänglich bleiben unsere Angebote im digitalen Raum. Folgen Sie uns in den sozialen Medien auf FACEBOOK, TWITTER oder INSTAGRAM, gucken Sie unsere #KUNSTMINUTE und weitere Filme auf YOUTUBE, lesen Sie in unserem BLOG, stöbern Sie in unserer ONLINE-SAMMLUNG und erkunden Sie unsere DIGITALE STRATEGIE.“

Für den ersten Zugriff ist das freilich eine rechte Staffelung an Angeboten/Aufforderungen, der Nutzer/Kunstinteressierte wird aber wohl auf seine Kosten kommen und kann aus einem reichen Angebot wählen. All dies ist von zuhause aus möglich.

Von Solidarisierung und Versuchen zu Hilfsangeboten geprägt sind in der Initialphase einer in der Form nicht erlebten, und in der Weise beispiellos (digital) kommunizierten Pandemie erste Aktionen der Beteiligten des Kulturbetriebs. Die Münchener Kulturkonsorten informieren beispielsweise bereitwillig (per E-Mail) zu Möglichkeiten eines digitalen, durch Computertechnologie ermöglichten Live-Streams von Veranstaltungen, Präsentationen und Ansprachen.

Hashtagosoph Christian Gries führt zum Thema „Digitale Angebote von Museen“ in Zeiten des Coronavirus via Twitter den Hashtag #DigAMus ein (durch einen Tweet). Über diesen Link - #DigAMus - ist erste Information, aber auch Einsicht in ungeheures kreatives Potential, möglich.

Der Kunsthistoriker Max Westphal hat, ebenso via Twitter, heute aktuell kursierende Hashtags zum umfassenderen Thema Kulturbetrieb plus Corona zusammengefasst:

Zugänge nicht nur zu Museen, sondern auch zu Bibliotheken, Archiven, Universitäten und weiteren Bildungseinrichtungen, und zu Orten des kulturellen Lebens wie zu Konzertsälen sind bis auf weiteres (häufig lautet der Stichtag 20.4., das Ende der Osterferien) offiziell reglementiert und in der tradierten Form nicht möglich.

Etwas konnte der Eindruck entstehen, Mitarbeiter*innen der Museen hätten besonders behende und am vehementesten auf digitale Lösungsangebote in Zeiten von Corona gepocht.

Der Wissenschaftsbetrieb wird sich über Angebote wie Jitsi für Besprechungen und Sitzungen organisieren - sofern, vorgeschrieben bei Tätigkeit im öffentlichen Dienst, bei Nutzung der ausgewählten Services datenschutzrechtliche Bestimmungen nicht entgegenstehen. In welcher Form und bis zu welchem Ausmaß Lehrveranstaltungen digital abgehalten werden könnten, wird diskutiert.

 

Empfehlungen wurden ausgesprochen zum Videokonferenzdienst im Wissenschaftsnetz des Deutschen Forschungsnetzes DFN und zu Angeboten für Video- und Webkonferenzen des Leibniz-Rechenzentrums LRZ. Zudem sei Adobe Connect unter bestimmter Konfiguration der Privatheit-Einstellungen mit den datenschutzrechtlichen Erfordernissen im Rahmen der Erfüllung von Dienstaufgaben vereinbar.

 

An Bücher, Forschungsgegenstände kommt man je nach Grad von deren Digitalisierung/Digitalität heran.

In Stunden der Angst um Betroffene oder Trauer um Opfer erreicht einen, unverhofft, Musik von Ausnahmetalent Levit digital .

Künstler*innen erhalten unter folgendem Link Informationen zu einer ihre Interessen offiziell vertretenden Petition, die zur aktuellen Stunde ihr Ziel von 200.000 Unterstützenden zu 95% erreicht hat. Auch diese Petition organisiert sich, wie alle im Beitrag angeführten Aktionen, über das Word Wide Web.

Hiermit würde ich Sie gerne einladen, weitere Hinweise und Möglichkeiten zur Information für Betroffene hier unter dem Blogbeitrag zu kommunizieren oder durch einen Kommentar hier unter diesem Blogbeitrag Ihre Erfahrungen und Vorschläge zu teilen.

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news-9379 Wed, 12 Feb 2020 23:18:08 +0100 Vorschau: Die Kunstgeschichte auf der DHd 2020 /beitrag/2020/02/12/vorschau-die-kunstgeschichte-auf-der-dhd-2020

Von 2. bis 6. März 2020 findet die diesjährige Jahreskonferenz des Verbands der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum - DHd 2020 in Paderborn unter dem Motto „Spielräume“ statt. Welche Spielräume nehmen in diesem Jahr die Kunstgeschichte und Bildwissenschaft ein? Seit der Gründungstagung 2014 in Passau lässt sich zunehmende Konjunktur der Kunstgeschichte und Bildwissenschaft, und zunehmend auch Kooperation zwischen den Disziplinen, verzeichnen. 2020 ist in dieser Hinsicht ein bischen weniger „los“ als letztes Jahr. Beide Keynotes der Tagung stammen aus dem Revier der Literaturwissenschaft. Die beliebten wissenschaftlichen Poster, also die Möglichkeit, durch ein Plakat der eigenen Forschung während der Tagung ein Forum zu geben, allerdings können für die folgende kleine Übersicht nicht berücksichtigt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Inhalte der Poster nicht einsehbar. Gerade hier zeigt sich aber häufig erstaunlich Neues, gerade hier kommt der Nachwuchs zum Zug.

Einer meiner Favoriten in diesem Jahr ist ein Beitrag von Linda Freyberg (Potsdam) zur Erkenntniskraft des Bildlichen. Sie wird unter anderem Aby Warburgs Mnemosyne-Atlas besprechen, als Modell, Wissen über Kunst zu ordnen und zur Darstellung zu bringen. Freyberg forscht im Rahmen ihrer Dissertation zur „Ikonizität als Erkenntnismittel“. Das Digitale ist entscheidend, da die „digitale Wissensorganisation“ untersucht wird. Wie der Mnemosyne-Atlas hier hereinpasst, wird sich zeigen. Freyberg gehört übrigens zur umtriebigen Gruppe von Wissenschaftler*innen am Potsdamer Urban Complexity Lab, das ob seiner Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Informationsvisualisierung bereits oft von sich hören ließ.

Aus der Hoppe-Schule ist dieses Jahr wieder 3D- (auch 4D-) Spezialistin Heike Messemer (Würzburg), zusammen mit Christiane Clados (Marburg), vertreten. Es wird zur „3D-Rekonstruktion als Werkzeug der Quellenreflexion“ referiert. Die während des Prozesses der Rekonstruktion vorzunehmende „(Re-)Evaluierung von Quellen und Befund“ (Zitat: Konferenz-Abstract; sämtliche Zitate in diesem Beitrag: s. Konferenz-Abstracts) zeitigt die Chance, bestehende Arbeitshypothesen zu reformulieren und zu korrigieren. Anhand der 1964 abgerissenen Ruine der im 2. Weltkrieg zerstörten Dresdener Sophienkirche, aber auch anhand eines altkolumbianischen Schmuckes, wird der Prozess der schrittweisen Erkenntnissicherung exemplarisch vorgeführt werden.

Peter Bell (Erlangen) und Fabian Offert (Erlangen) werden ihren Begriff einer Critical Machine Vision der Fachgemeinde vorstellen. Nicht nur seien „digitale Methoden auf geisteswissenschaftliche Gegenstände anzuwenden“, sondern „umgekehrt die informatischen Werkzeuge mit Methoden der Digital Humanities und der Geisteswissenschaften“ zu traktieren, um zu einer kritischen Analyse der Machine Vision zu gelangen. Für das Training neuronaler Netze maßgebliche Bilddatenbanken der Computer Vision wie ImageNet und COCO können dabei einer kategorialen Kritik unterzogen werden. Schließlich wird ein Bias, eine Voreingenommenheit der Datenbanken aufzuzeigen sein. In ihrer spezifischen Beschaffenheit produzieren die dem Training zugrunde liegenden Datenbanken beharrlich Stereotype und fördern eine stetige Produktion und Reproduktion sogenannter westlicher Narrative. Neben ihrer Daten(bank)kritik liefern Bell und Offert neue technische Ansätze zur möglichen Veränderung der Methoden des Computer Vision Trainings. Der Tagungsuntertitel „Digital Humanities zwischen Modellierung und Interpretation“ bezieht sich hier exemplarisch auf die Arbeit mit Convolutional Neural Networks für die Computer Vision.

Innerhalb der Sektion „Neue Wege für Repositorien“ werden „Bildrepositorien und Forschung mit digitalen Bildern im Bereich der Kunstgeschichte“ von Sander Münster (Jena/Dresden), Cindy Kröber (Dresden) und Heike Messemer (Würzburg) besprochen. In der Kunstgeschichte stetig aufkommende Fragen zu Datenbanken und digital verfügbaren Bildern beträfen „Auffindbarkeit, Urheberrecht, Metadaten zum Material, geringe Bildqualität oder digitales Design“, hiermit seien Problembereiche identifiziert, die „Zugriff und Interaktion“ durch die Zunft Kunstgeschichte beeinträchtigten. Das Potential digitaler Repositorien und digitaler Bilder für die Forschung sei somit eingeschränkt. Berichtet werden wird zudem von einer Umfrage mit Studierenden der Kunstgeschichte. Denn zu fragen sei, ob die erwähnten Problembereiche für die digital natives ebenso deutlich existierten. Aus der Umfrage abzuleitende Erfordernisse versprächen Hinweise auf mögliche technologische Neuentwicklungen für den wissenschaftlichen Alltag der Studierenden.

Im Rahmen der Sektion „Linked Open Data 1“ präsentieren Maria Effinger und Nicole Sobriel von der Universitätsbibliothek Heidelberg die Möglichkeiten und erste Lösungsansätze für eine „Bereitstellung“ (also von der Seite der Universitätsbibliothek aus gedacht) von digitalen Werkverzeichnissen. Der Vortrag ist betitelt „Das Werk bildender Künstler*innen im Kontext - Digitale Werkverzeichnisse im semantischen Netz“. Wohl ein weiteres Juwel der Tagung. Aus dem Abstract: „Die webbasierte und kollaborative Arbeits- und Publikationsweise sowie die multiplen Verbindungen von Bild und Text schaffen gegenüber bisherigen Printpublikationen neue Möglichkeiten der Visualisierung und Verbreitung stets aktueller Forschungsergebnisse. So können die zwischen den in der Datenbank erfassten Artefakten oder Personen bestehenden komplexen, geographischen, überlieferungskontextuellen, sprachlichen, inhaltlichen, ikonographischen oder editorischen Bezüge komfortabel recherchiert, visualisiert und dynamisch ausgebaut werden.“

Schließlich zeigen dieses Jahr Harald Klinke von der LMU München zusammen mit den Kölnern Jürgen Hermes und Dennis Demmer, im Rahmen der neuen Sektion „Digital Humanities Community“, die Möglichkeiten sogenannter „Public Humanities Tools“. AutoChirp und autoPost zur automatisierten Versendung von Nachrichten des sozialen Informationsdienstes Twitter und zum automatisierten Posten von Beiträgen im Netzwerk Facebook, also zur Konfiguration eigener Twitter- und Facebook-Bots, zeichnen sich jeweils durch unkomplizierte Handhabung auch für Anfänger aus. Beide Tools wurden an der Universität zu Köln entwickelt. Verschiedene mit den Anwendungen bereits durchgeführte Aktionen eines Wissenstransfers in die Öffentlichkeit einerseits und der Information der Fachgemeinde andererseits werden vorgeführt. Aus der Kunstgeschichte wird zum Beispiel zum Twitter-Bot Cleveland Art Fun Facts referiert, der mit open data aus dem Cleveland Museum of Art operiert.

Fazit: Die Kunstgeschichte und Bildwissenschaft sind auf der diesjährigen DHd-Tagung mässig vertreten, zeichnen jedoch insgesamt ein erfreulich vielfältiges Spektrum derzeitiger Aktivitäten. Forschung zu digitaler Wissensorganisation durch Bildlichkeit, digitale 3D-Rekonstruktion, kritische Machine Vision, Potentiale und Möglichkeiten digitaler Repositorien, digitaler Werkverzeichnisse und digitaler Wissenskommunikation - ausgelotet, anvisiert und angedeutet werden beträchtliche Spielräume. Besonders freue ich mich über den Versuch einer kritischen Machine Vision. Habe schon seit längerem den Eindruck, dass die frühen Jahre datenpragmatischer und datenpositivistischer Forschung endgültig vorbei sind.

Verwiesen sei auch auf die Treffen des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte, der AG Digitales Museum und der AG Digitale 3D-Rekonstruktion im Rahmen der Tagung.

Eine Anmeldung zur DHd-Tagung 2020 ist noch bis 16.2. möglich. Interessierte können Einblicke auch über den twitter-Hashtag #dhd2020 auf Twitter erhalten. Ein kurzer Tagungsbericht wird hier auf dem Blog erscheinen.

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